Rikjards geheime Sandbox (NICHT GUCKEN!)

11. August

"Sie wollten mich sprechen?"
"Ja. Treten Sie ein, Klaussen", antwortete Hand.
Siggi trat ein, schloss die Tür hinter sich und nahm auf dem Stuhl vor Hands Schreibtisch Platz.
"Es ist heute genau acht Wochen her, dass Saskia Schmied im Einsatz gefallen ist", erklärte Hand. "Wir haben nun endlich einen geeigneten Ersatz gefunden."
Siggi blickte Hand unsicher an. "Gut … aber sollten Sie das nicht eher mit Kessel als mit mir besprechen?"
"Kessel ist bereits informiert." Hand seufzte. "Aber es schien uns notwendig, Sie ebenfalls zu informieren, bevor der Rest des Teams mit dem Neuzugang bekannt gemacht wird."
Siggi zog die Augenbrauen hoch. Er war bisher nie im Vorhinein über Neuzugänge im Team informiert worden.
Hand reichte ihm eine Akte. "Das ist er. Biologe, wie Saskia Schmied. Hat die Autopsien der Überreste von SCP-097-DE-Exemplaren die von MTF-DE11-F ausgeschaltet wurden durchgeführt."
Siggi schlug die Akte auf, sah als erstes das Foto des Neuzugangs. "Das ist nicht Ihr Ernst."
"Doch." Hand seufzte. "Die Foundation bevorzugt es, Personen mit derlei Verbindungen nicht der gleichen Truppe zuzuteilen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Aber er ist am Besten geeignet, und alle Kandidaten mit vergleichbaren Qualifikationen sind entweder für den Feldeinsatz ungeeignet oder werden für andere Projekte benötigt. Oder haben keine ausreichenden Deutschkenntnisse, und Sprachbarrieren im Einsatz sind ein zu großes Risiko."
"Ich wusste nicht einmal, dass er für die Foundation arbeitet." Siggi schüttelte den Kopf. "Müsste man im Interesse der Frauenquote nicht wieder eine Biologin zuteilen, um Saskia zu ersetzen?"
"Geschlechtsspezifische Überlegungen haben bei der Teamzusammenstellung keinen Platz." Hand starrte Siggi fest in die Augen. "Wird das hier zu Problemen führen?"
"Nein." Siggi seufzte. "Ich würde zwar jeden anderen bevorzugen … aber unsere Arbeit hier ist zu wichtig. Zudem bin ich trotz des wenigen Kontaktes, den er und ich in den letzten Jahren hatten, immer gut mit ihm ausgekommen."
"Gut." Hand nahm Siggi die Akte wieder ab. "Sie können gehen. Wir werden den Rest des Teams morgen mit dem Neuzugang bekannt machen."
Siggi nickte und stand auf. "Eine Frage … weiß er schon, dass ich hier bin? Also, Teil der Foundation und Teil von 'Faust'?"
"Wir haben ihn bereits informiert, ja."
Siggi schnaubte. "Und wieder weiß er mehr als ich."

12. August

Die Mitglieder der Faust saßen im Besprechungsraum versammelt, Hand stand vor ihnen. "Die Sichtungen von SCP-097-DE in dieser Gegend sind beunruhigend, bisher aber zu unvorhersehbar, um in Aktion zu treten. Und bisher haben sie weder angegriffen noch sonst Ärger gemacht. Sobald wir eine Vermutung haben, wo sich ihr Aufenthalts- beziehungsweise Versammlungsort befindet, werden wir Sie reinschicken."
Kessel nickte. "Also stehen momentan keine Missionen an?"
Hand schüttelte den Kopf. "Derzeit nicht. Eine Sache gibt es aber noch zu besprechen." Er räusperte sich. "Wie Sie alle wissen, fehlt uns ein Biologe im Team. Wir haben aber kürzlich einen Nachfolger für Saskia Schmied gefunden."
Er drückte einen kleinen Knopf auf seinem Pult, woraufhin es vor der Eingangstür läutete. Die Tür öffnete sich, und ein glatzköpfiger Mann mitte dreißig trat ein.
"Darf ich vorstellen: Frederik Klaussen, Biologe."
Kessel stand auf, reichte dem Neuzugang die Hand. "Willkommen in MTF-DE11-Friedrich. Aber wir bevorzugen 'Faust'."
Frederik nickte und schüttelte Kessels Hand. "Danke. Und nennen Sie mich Fred, das tun alle."
Dann fiel der Blick des Neuzugangs auf Siggi. "Hallo."
Siggi seufzte. "Grüß dich."
Der Rest des Teams blickte unsicher zwischen den Beiden hin und her. Schließlich räusperte sich Marek. "Siggi Klaussen und Fred Klaussen. Brüder?"
Beide nickten.
"Keine Sorge", murmelte Siggi. "Wird kein Problem sein."
"Will ich hoffen, Siegmund", erwiderte Fred.
Falk schnaubte. "Ich spüre direkt die Geschwisterliebe", murmelte sie.
Kessel räusperte sich. "Ich wurde informiert, dass sie bereits eine Nahkampfausbildung erhalten haben. Hand?"
"Daher wird die bisherige Taktik zum Ausschalten von SCP-097-DE-Instanzen beibehalten. Ablenkung durch Falk, von Siegmund geweihte Munition in Kessels Gewehr um das anomale Herz in einem inaktiven Zustand zu halten, Biologe im Team benutzt Speer um das zweite Herz zu zerstören und, falls möglich, das anomale Herz vor der Verbrennung zu bewahren und zur Untersuchung mitzunehmen."
Kessel nickte. "Gut. Ich möchte bis zum nächsten Einsatz zweitägliche Kampfübungen durchführen, damit sich Fred im Team akklimatisieren kann."
"Damit habe ich gerechnet", erwiderte Hand. "Morgen um 14 Uhr steht Ihnen Trainingskomplex 3-2-7-DE-Epsilon zur Verfügung."

13. August
Nach der ersten Kampfübung stand das Team in den Duschen neben den Garderoben.
"Gute Übung, Leute", sagte Kessel laut genug, um das Rauschen des Wassers zu übertönen. "Fred, du musst noch etwas schneller auf unsere Wortmeldungen reagieren. Weniger denken, mehr handeln."
"Verstanden. Ich bin zuversichtlich, dass das mit der Zeit schon werden wird." Fred sah die Männer an, die rund um ihn duschten. "Wieso ist Siegmund eigentlich nicht duschen gegangen?"
"Er geht lieber allein duschen", antwortete Marek. "Du hättest mal sein Gesicht sehen sollen, als Falk ihm letztens mal angeboten hat, dass er mit ihr die Damenduschen benutzt - 'ne Kirsche ist nich' so rot wie sein Gesicht war."
Fred kicherte. "Typisch mein Bruder."
Kessel drehte indes seine Dusche ab, nahm sich beim Hinausgehen noch ein Handtuch, dass er sich um die Hüfte schwang, und verließ die Duschen.
Fred räusperte sich. "Und, Jungs?"
Marek und Ambrosz sahen ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Ja?", fragte Marek schließlich.
"Wissen die Anderen, dass ihr zwei Schwuchteln seid?", fragte Fred.
Sowohl Marek als auch Ambrosz wich jede Farbe aus dem Gesicht.
"Kommt, es ist offensichtlich, so wie ihr zwei euch beim Duschen anstarrt."
Marek schnaubte. "Kessel und Falk wissen, dass ich schwul bin. Siggi? Keine Ahnung. Aber es geht auch keinen was an, was ich oder Ambrosz in der Freizeit machen."
"Stimmt schon", erwiderte Fred, "aber bevor ihr auf dumme Gedanken kommt: Keiner von euch fasst mich an. Dann werden wir auch keine Probleme haben."
"Die Gefahr besteht auch nicht", knurrte Ambrosz. "Sieh mal in den Spiegel, Fred."
Fred drehte seine Dusche ab. "Dann ists ja gut." Und er drehte sich um, schnappte sich ein handtuch, und verließ die Duschen.
Marek schüttelte den Kopf. "Arschloch."

15. August
Fred stand an seinem Spind. Es war noch früh, er war als Erster da.
"Was machen Sie da?", klang eine Stimme von hinter ihm.
Er drehte sich um, Falk marschierte mit unentspanntem Gesichtsausdruck auf ihn zu. Als sie ihn erkannte, lockerte sich ihr Gesicht ein wenig. "Oh, Fred … du hast Saskias… diesen Spind gekriegt, klar. Okay. Sorry."
Fred seufzte. "Saskia Schmied. Wie war sie so?"
Falk schüttelte den Kopf. "Nicht wichtig. Du bist jetzt Teil des Teams."
"Schon wichtig." Fred seufzte. "Ich weiß, es steht mir vielleicht nicht zu, aber … wenn du über Saskia -"
"Will ich nicht", unterbrach Falk, "aber danke."
"Lass mich ausreden. Es ist oft einfacher über Verstorbene mit jemandem zu reden, der den- oder diejenige nicht gekannt hat. Also wenn du jemals das Bedürfnis hast, Falk, kannste ruhig mit mir reden. Ich kann zwar nich mehr machen als zuhören, aber das allein kann helfen. Da red ich aus Erfahrung." Er lächelte Falk sanft an.
Saskia erwiderte das Lächeln. "Danke, Fred. Ich behalts im Hinterkopf."

17. August
Siggi setzte sich in der Kantine an Standort DE8 zu seinem Bruder. "Mahlzeit."
"Mahlzeit", erwiderte Fred mit vollem Mund. "Also, das Essen ist hier besser als an Standort-DE6, das kann ich dir sagen."
"Mhm." Siggi begann wortlos damit, seine Suppe zu löffeln.
Fred grinste. "Noch immer nich' sehr gesprächig, hm?"
"Ich sitze nur hier, weil alle anderen Tische besetzt sind und ich keine Gespräche stören will."
"Wie selbstlos, Herr Pfaffe."
Siggi ließ seinen Löffel in die Suppe fallen. "Und du hast noch immer nicht gelernt, Respekt vor Anderen zu haben."
"Oh, ich hab Respekt", erwiderte Fred, während er genüßlich weiter aß. "Ich hab nur keinen vor Kinderschändern, Schwuchteln und Pfarrern. Zwei von drei, heißt doppelt so wenig Respekt vor dir."
"Du weißt genau, dass ich nie einem Kind etwas angetan habe."
"Will ich hoffen, sonst erschieß ich dich."
Siggi stand auf. "Du verstehst es nicht. Wir müssen zusammenarbeiten."
"Im Einsatz behandle ich dich auch wie jeden anderen im Team, einschließlich Schwuchteln." Fred blickte kauend hoch in Siggis Gesicht. "Aber erwarte nich, dass ich dich außerhalb vom Einsatz als was anderes als einen behinderten Pedo sehe."
Siggi schüttelte den Kopf. "Jede Sünde wird vom Herrn bestraft."
"Wenns so wär, hätt er dich schon lang in die Hölle verfrachtet."
Siggi schloss seine Augen, konzentrierte sich darauf, all die Dinge die ihm auf der Zunge lagen zurückzuhalten.
Fahr zur Hölle.
Der Teufel soll dich holen.
Friss Dreck und stirb.
Fick dich.
"Weißt du was, Frederik?", begann Siggi. "Ich denke, es hat seinen Grund, warum der Herr uns wieder zusammengebracht hat."
"Schwarzer Humor?"
"Er will, dass ich deine bemitleidenswerte Seele rette." Siggi schnappte sich sein Tablett und wandte sich zum gehen.
Fred gluckste. "Viel Glück, ich hab keine."

Rikjards Sandbox




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