Rabes Vorzeigebox

Tag: geschichte 4r deutsch

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Major Fiona Adler. Ein Name. Ein Name einer Person. Einer Frau. Einer Frau mit Ehrgeiz. Der Ehrgeiz die Welt sicherer zu machen.

Zitat aus der Trauerrede an Fiona Adler Beerdigung

Sie hasste es um den heissen Brei zu reden.
Als sie starb, wie sie es immer gewünscht hatte während der Arbeit, akzeptierte sie das. Ja, sie war enttäuscht, dass das Nach-Dem-Tod nicht mehr war als ein Raum, in dem man herumschwebt, was sie aber nie zu geben würde. Wenigstens war es nicht klischiert wie das Bild das die Kirche von der Hölle oder dem Himmel malte. Wenigstens…

––––

Sie öffnete ihre Augen. Fiona lag in einem Kreidekreis… so weit sie es in der Schummrigkeit erkennen konnte.
„Willkommen wieder bei den Lebenden“, die Stimme war ganz klar männlich und alt. Sehr alt. Zu alt.
Fiona richtete sich auf. Sie fühlte sich leer. Kein Schwindel, keine Müdigkeit, kein Hunger oder Durst. Nur Leere.
„Wahrscheinlich sind Sie verwirrt. Das sind die Meisten“
Sie richtetet ihren ausdruckslosen Blick auf den Sprecher, ein ältere Herr, der seinen Flanierstock gerade sinken liess.
„Sie erholen sich recht schnell. Das sollte ein gutes Zeichen sein“, erreichte seine Hand, doch ihr Stolz liess es nicht zu sie zu ergreifen. Sie stand auf, die Arme verschränkt. „Warum wurde meine Totenruhe gestört, Herr…?“
„Wie unhöfliche von mir. Die meisten kennen mich als Herr Rass. Weil sie für mich nützlich sind,…“
„Nein“, kam es von ihr, während sie das Salz von ihre Händen wischte.
Der Herr blinzelte.
„Entschuldigen Sie, Sie wollen mir nicht helfen?“
„Ja, ich denke nicht mit der Weltanschauung von jemanden, der mich wiederauferstehen lässt, einverstanden bin.“
„Natürlich wirke ich im Moment etwas egozentrisch, aber die Hilfe basiert auf Gegenseitigkeiten? Wollen sie nicht ihr Vaterland beschützen?“
„Ich bin für dieses gestorben, also schuldet ich niemand etwas.“
Das Lächeln verschwand nicht von Herrn Rass Gesicht, doch es verlor an Echtheit: „Ich kann mich doch nicht in Sie getäuscht haben. Wollen sie wirklich zurück in diese Leere?“
„Ja. Ich bleibe meinem Entscheid treu: Ich lasse mich nicht bestechen oder erpressen, auch wenn die Alternative nicht toll ist"
Herr Rass schwieg mit ausdrucksloser Mine.
"Sie sind offenbar nicht dumm. Sie habe das geschickt gemacht, den Bahnkreis zu verwischen"
Auf ihrem Gesicht erschien erstmals seit… seit langem wieder ihr schiefes Lächeln.

Akolyth Dorn lief missmutig und vor sich hin fluchend durch den engen Gang. Seit Herr Rass ihr gesagt hatte, sie sollte dafür sorgen, dass man eine Nutzen aus dieser "Frau", die ihr Meister von dem Toten geholt hatte, rausschlagen kann, war sie damit beschäftigt Bücher zu wälzen.
Das wäre an sich nicht schlimm, dafür hatte sie sich ja dem "Teufel" verkauft, aber das reichte nicht aus. Sie hatte auf 'guter Akolyth, böser Akolyth' gemacht, verschiedenste dämonische Diener auf die Gefangene gehetzt, ja sogar das Ding benutz, dass einer ihrer Kollegen gebastelt hatte.

NICHTS!

Sie atmete tief durch. Und noch mal. Und noch mal.
Ihr war schlecht, vorlauter sich schwarz ärgern. Sie versuchte die Zeit zu nutzen, in der ihr Mentor weg war. Anfänglich hatte sie sich etwas eingebildet das Herr Rass sie beauftragt hatte, jetzt hingegen zweifelte sie, ob es wirklich so toll war. Andererseits könnte sie auch herauslesen dass er eben sie ausgewählt hatte, weil er es ihren trotteligen Kollegen nicht anvertraute.

Akolyth Pest kratze den Russ von seinem letzten Experiment ab. Eigentlich alles, was nicht mehr zu gebrauchen war.
Er seufzte. Und als er fertig war, seufzte er noch mal.
Er hatte seine Zweifel, ob er hier am richtigen Ort war. Er wollte schon mit Dämonen arbeiten und mit 'okkultes' Zeug experimentieren, aber… .
Diese Zweifel überkamen ihn in letzter Zeit immer wieder.
„Aber was wenn ich…?“, fragte er in den Raum.
Seine Eltern haben ihm beschimpft. Ihn als ‚undankbarer, verwöhnter Junge’ bezeichnet und es als ‚hoffentlich bald vorbeigehende Phase‘.
Ihn hatte es nicht gekümmert. Die Möglichkeit wir Dr. Faustus mit den dunklen Mächten zu spielen hatte ihn gereizt.
„Ich hätte ein verdammt-noch-mal spiessiges Leben…“, antwortete er sich seine Frage.
Ihm fiel die Schachtel, die er in der Hand gehalten hatte, aus eben diesen. Er hielt sich am Tisch fest. Er konnte nicht mehr Halt auf dem Boden finden. Die Glasviolen und -gefässe mit den verschiedensten Lebensformen klirrten und hüpften. Der Boden rumorte, als sich etwas versuchte durch die Wände der Bunkereinrichtung durchwühlte. Entfernt hörte er das Knirschen von Stahl und Beton.

Fiona hatte es auf der überraschend bequemen Pritsche gemütlich gemacht.
Herr Rass hatte eine Akolyth beauftragt, um sie zu kümmern. Die Lehrlingin war ziemlich unfähig, ihr nur einen Kratzer zu zufügen. Sie musste schmunzeln.
Sie war nie selbstgefällig gewesen. Jedenfalls nicht vor der Wiederbelebung. Sie dachte über ihr vorheriges Leben.
Sie war ein hohes Tier in der Arme gewesen, damals als mal die Arme noch echt brauchte, nicht nur als Drohung und Wer-Hat-Den-Grössten-Getue. Ihr Vaterland hat sie angefragt, die Führung einer Spezialeinheit, die Unnaturen ausfindig macht und jagen, zu übernehmen. Als Frau würde jemand auf die Idee kommen Sie als Bedrohung zu sehen. Sie war der langlebigste Leiter der Einheit gewesen.
Ihr Heimat hatte sich immer bedeckt gehalten, was auf eine Art gut war.
Sie im Bereich von paranormalen Phenomenon war es nicht so leicht. Deswegen lag ihre Basis auch in Maasburg am Rhein, einem Nexus.
Während ihrer Zeit als Leiterin hatte sie viele verschiede Absurditäten gesehen: Erwachsene, die eine Maschine wie ein Gott anbeteten, Ein schäbiger wirkender Mann mit einem Filzhut, der sich für besonders schlau hielt, ein wandelnder Berg aus Lehm und Blut, Männer und Frauen, die sich Krankheiten und Gifte verabreichten, eine Frau in einer Mittelalterrüstung, einen ewig schlafender König, ein unsichtbar machen den Mantel,…
Ach, es war spannend, was die Natur und der Mensch schufen, wenn Zeit und die Mittel da sind. Sie sollten es in Besitz bringen, auseinandernehmen, sezieren, analysieren und wenn fertig, meistens eliminieren. In ihrer Truppe war als Seelsorger ein Priester, Er war ein ziemlicher Freidenker, glaubten Gott hätte die Evolution erschaffen, und meinte, dass die Natur nur Paranormales hervorbrachte, weil sie versucht das Gleichgewicht widerherzustellen. Dem zu folge würden wir ihr, dadurch wieder Gott, helfen, in dem wir diese Monster und Freaks in die Schranken weisen
„Warum klingt es immer noch wie eine Rechtfertigung?“ Sie sah wieder ihre Handrücken an. Sie konnte kurz in einen Spiegel schauen, als man sie in eine Zelle verfrachtete, und die ihre so vertrauten Falten und Runzeln waren weg. Eine junge und pfiffig wirkende Frau sah sie mit ihren stechenden Blick an. Offenbar hatte die Reanimation sie verjüngt, was neues gelernt.
Sie fiel von der Liege. „AUTSCH!“, rief sie entrüstet aus. Weitere von Erschütterungen folgten. Als es für einen Moment aufhörte, sprang sie auf und hielt sich schnell irgendwo fest, bevor sie wieder hinfiel.
„Was ist den hier los?!?“, entfuhr es ihr.
„’Es’ kommt!“
Verwundert über die unerhoffte Antwort, ging die Tür auf und ein Mann mit einer Kostüm stand im Rahmen.
„Und wenn sie hier nicht schnellstens raus kommen, wird es sie finden!“
Wie geraten, sprang sie ihrem Befreier vorbei in den Gang.
„Dank“, nuschelte sie und sprintete ohne zurück zu sehen los.
Schnell merkte sie, dass wieder eine jugendliche Energie sie durchfloss. Als sie bei einer Kreuzung links abzweigen wollte, drang in ihre Nase der beissende Geruch von…
Sie drehte sich um und etwas, dunkler als die mondlose Nacht, schwebte auf sie zu.
Sie kannte es. Nicht persönlich, aber von Berichten. Sie hatten es bei ihrer Einheit ‚Der Hassende’ getauft. Wenn immer sie fragten bei ihren Razzias, niemand wusste was es war. Werder die Teufelsanbeter und Satanisten, nicht die Fleischfanatiker, nicht mal ein Gott wusste es. Und sie stand still und damit war ihr Todesurteil gesprochen. Das Monster… das Ding… Was-auch-immer riss seine Kiefer mit den viel zu vielen Zähnen und den schwarzverrottenden Fleisch auf. Sie schloss die Augen.

Akolyth Dorn, die ihren Rivalen Pest hinter sich her zerrte, eilte durch den Gang. Sie wussten nicht, was das Beben ausgelöst hatte, aber sie wusste, dass sie bei Herrn Rass besser stand, wenn sie mehr Informationen hatte, als den nicht vorhandenen Fortschritt mit der Gefangenen.
Pest, der durch das Beben aus seinen Zweifeln herausgerissen wurde, versuchte sich aus dem unangenehmen Griff von Dorn zu befreien, was ihm endlich glückte.
"WAS soll das, zum Teufel?!?", knurrte er, nicht so bedrohlich wie erhofft, "Ich war gerade dabei einen Pestilenz zu beschwören."
"Du sollst mir helfen, Nichtsnutz!", kam es fauchend zurück, "und wie zurückgeblieben hälst du mich? Deine Hände sind voller Russ und du riechst nach Verbrannten!"
Pest gab auf. Er wusste dass es sinnlos war. Er fixierte sich auf ihre Route. Scheinbar bewegte sich das Wesen nur in einer Richtung, was vermuten lies, dass sie am sichersten waren, wenn sie hinter diesem gingen.
Ein Schrei, der von den engen Gängen weit getragen wurde, schlug ihnen wie ein Faust entgegen. "Was?!?", war das einzige was Pest hervorbrachte, während sie sich an den Wänden festhielten, als der Boden bebte.
Sobald sie sicher genug gehen konnten, rannten sie.
Bei einer Biegung trafen sie auf zwei Personen. Der Mann, der seine Schwerter versorgte, erkannten sie sofort. Ihr Interesse aber hatte die Frau, die am Boden kniete. Sie war teilweise mit einer dunklen, teerigen Masse bedeckt. Der Mann sah sie angeekelt an. Ihr Körper fing an zu beben, bevor…
Ein Lachen. Ein Lachen, das aus dem tiefsten ihres Inneren kam. Sie erhob sich und, als sie aufrecht und etwas stolz wirkend auf einem Berg aus abnormalen Fleisch stand sprach sie: „Ich, Fiona Adler, ehemalige Abführin der Einheit zur Überwachung von Unnaturen, wurde nach meiner Wiedererweckung getauft. Ihr seit meine Zeugen, wie ich euch verspreche, dass ich ein neues Kapitel in der Geschichte des Paranormalen und Übernatürlichen schreiben werde.“
Ihr Worte waren noch zu hören, als sie schon längstens gegangen war.

––––

„Und das ist meine Geschichte.“
Fiona beendete mit diesen Worten ihre Erzählung.
Fiona sass im Augenblick mit einem Mann im Café ‚Die Hexenküche‘, das kürzlich in Maasburg am Rhein geöffnet hatte.
Fancies Noir, der besagte Herr, machte eine skeptische Mine, während er seine Tasse warmer Kakao zu Ende trank.
„Sie erzählen mir, Sie wurden von einem okkulten Nationalsozialisten wiederbelebt, überlebten eine Wesenheit, der bisher niemand entkam und konnten anschliessend entkommen? Klingt wie aus einem Buch.“

Und wenn wir endgültig wieder aufeinandertreffen und der blaue Himmel die dunklen Wolken weit weg trägt, werde ich mein Versprechen einlösen.

Fiona Adler vor ihrem Tod

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