SCP-146-DE
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Objekt-Nr.: SCP-146-DE

Klassifizierung: Sicher

Sicherheitsmaßnahmen: SCP-146-DE ist momentan in Standort-DE17, Ebene 3 untergebracht. Sowohl der Zugang zu Inputbereich B als auch zu Outputbereich C sind durch Standard-Sicherheitsstufe-3 Türen zu sichern. Ein Mitglied des Wachpersonals hat zu jeder Zeit zwischen den beiden Eingängen zu patrouillieren. Die Haupt/Manifestationskammer A muss wöchentlich unter Aufsicht von zwei Klasse 3 Mitarbeitern des Forschungsstabs durch D-Klasse Personal gereinigt werden. Es ist streng darauf zu achten, das Interieur der Manifestationskammer nicht zu verändern. Die Luftfiltersysteme der Hauptkammer, die Übertragungstechnik zwischen dieser und Inputbereich B, sowie dessen medizinische Ausstattung sind monatlich zu warten, bzw. zu überprüfen. Nach jeder Wartung und/oder Reinigung ist ein Testlauf durchzuführen.

Beschreibung: SCP-146-DE besteht aus drei verschiedenen Räumlichkeiten, wobei Hauptkammer (8 x 12 x 2 m) und Outputbereich (3,5 x 12 x 2 m) lediglich durch eine Sicherheitsglasscheibe voneinander getrennt sind. Ein Schiebefenster zum Zweck der Potentialentladung sowie eine Tür aus demselben Material sind in die Scheibe eingelassen. Außer durch die Tür ist kein direkter Zugang zur Manifestationskammer möglich.

Im Outputbereich befinden sich lediglich eine Sitzgelegenheit sowie ein abgeschirmtes Überwachungsmodul. Der Inputbereich enthält eine medizinische Standardeinheit, den geborgenen Elektroenzephalographen sowie die dazugehörige Übertragungstechnik, deren Verkabelung die umgewandelten Messungen durch die Wand in die Hauptkammer einspeist.

Diese wiederum stellt den exakten Wiederaufbau des Raumes dar, der in einem Seniorenpflegeheim in R██████ von der SCP-Foundation entdeckt wurde. Augenscheinlich wurde der Raum in der Vergangenheit bereits mindestens einmal ab- und wieder aufgebaut, aufgrund des Todes von Dr. Dimetrios konnten bisher keine genaueren Informationen ermittelt werden, das Forschungspersonal vermutet jedoch, dass es sich um einen musealen Ausstellungsraum gehandelt haben könnte (Dr. Dimetrios Aufzeichnungen befinden sich in Auswertung). Die Hauptkammer ist vollständig mit Marmorplatten aus der Gegend um Thassos, Griechenland, ausgekleidet, neun verschieden hohe (von 48 bis zu 139 cm reichende), dorischen Säulen nachempfundene Stelen desselben Materials sind asymmetrisch im Raum verteilt. Sie dürften als Podeste für zur Schau gestellte Exponate gedient haben.

Werden im Inputbereich mittels des modifizierten Elektroenzephalographen menschliche Hirnströme aufgezeichnet, so werden diese verstärkt und als elektrische Signale in die Hauptkammer übertragen. Dort erscheint innerhalb von etwa neun Millisekunden eine Instanz von SCP-146-DE-1, die stets stark einer altertümlichen, allerdings keineswegs antiken Darstellung der Muse Kalliope ähnelt. Die Figur ist etwa 1,78 m groß und wirkt wie aus Marmor bestehend, bekleidet ist sie spärlich mit einem Tuch, in den Händen hält sie eine Schreibtafel und Griffel. Die Instanz bleibt stationär, flimmert jedoch beständig. Dem jetzigen Kenntnisstand nach besitzen die Instanzen weder Masse, noch interagieren sie in dieser Phase mit der Umwelt noch besitzen sie ein in irgendeiner Form geartetes Bewusstsein. Die Figur verschwindet entweder sobald die Zufuhr der Signale abbricht, oder das Schiebefenster, bzw. die Tür zum Outputbereich geöffnet wird.

Wenn sich dort eine oder mehrere Personen aufhalten, erfährt die Hirntätigkeit der Anwesenden eine signifikante Steigerung, üblicherweise im Bereich der Alpha- und Gammawellen, damit einher geht eine stark erhöhte Aktivität der Neuronen. Diese Stimulation führt im Normalfall zu einem rapiden Anstieg der Kreativität und Assoziationsfähigkeit; außerdem dem starken Wunsch, die entstehenden Gedanken schriftlich auszudrücken.

Im Gegenzug verfällt die Person in der Inputkammer in einen lethargischen, quasi emotionslosen Zustand mit einer erhöhten Toleranz gegenüber Schmerzstimuli. Der Effekt hält jeweils zwischen 27 und 36 Stunden an, bevor der Normalzustand eintritt. Testreihen zeigten, dass schlafende Subjekte als Sender zu eher kryptisch-fragmentarischer, wache Subjekte dagegen zu verständlicher Prosa und Lyrik, bezogen auf die Qualität des entstehenden Textmaterials führen. Sowohl die Intelligenz des Senders, als auch diejenige des Empfängers haben Auswirkungen auf die Qualität der Texte, wenn sie auch, subjektiv betrachtet, höher erscheint als ohne SCP-146-DE als Katalysator. Signale von komatösen Sendern erzeugen keinerlei Instanzen von SCP-146-DE-1. Der Input durch psychopatische Personen führt beim Empfänger zu heftigen epileptischen Anfällen (Grand mal) bis hin zu starken Hirnblutungen mit letalem Ausgang. (Für ein Beispiel eines durchschnittlichen Textes, der mittels SCP-146-DE generiert wurde, siehe Anhang)


Zusatzinformationen: SCP-146-DE geriet durch Berichte gegenüber E-Klasse Personal in den Fokus der Foundation, die von einem elitären Pflegeheim für Senioren handelten, dessen sämtliche Bewohner den gleichen lethargischen Zustand aufwiesen, ohne medikamentöse Behandlungen erfahren zu haben. Das Gebäude befand sich Besitz der bekannten Bestsellerautorin Beatrix M████.

Nach ihrer eigenen Aussage ging sie in den späten siebziger Jahren eine Beziehung zu beiderseitigem Nutzen mit Dr. Aristide Dimetrios ein, den sie zufällig kennengelernt hatte. Sie gründeten gemeinsam in ihrem Elternhaus das Pflegeheim, wo Dimetrios SCP-146-DE installierte. Die Herkunft der Anlage ist ihr nicht bekannt. Während sie nun den kreativitätssteigernden Effekt als Quelle für eine Reihe äußerst realitätsnaher, im 20. Jahrhundert spielenden Romane nutzte (die Handlungszeitpunkte der Romane verschob sich über Dekaden chronologisch nach vorne, entsprechend den Geburtsdaten der Heimbewohner), konnte Dimetrios ungestört forschen und außerdem die Anlage zur zeitweisen Beruhigung seines schwerst psychisch gestörten Sohnes nutzen.

Aufgrund ihrer Prominenz wurde auf eine Amnestizierung verzichtet und stattdessen auf konventionelle Überzeugungsarbeit zurückgegriffen. Das Heim wurde geschlossen, die Bewohner andernorts untergebracht, Dr. Dimetrios Sohn wurde in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.


Auszug aus der Einsatznachbesprechung zu SCP-146-DE:

Ort: Standort-DE17

Datum: 23.10.2018

Auditoren: Standortleitung, Dr. Himmeroth, Dr. Reetz, Dr. Senger

Wortführer: Dr. Senger

Befragte: Agent Emilia Fabri, Agent Viktor Eißner (SCP-140-DE)



Dr. Senger: "Nun, ich rekapituliere. Unter dem Vorwand, einen Pflegeplatz für einen Verwandten zu suchen, schafften Sie es, sich für eine Nacht in dem Heim einzuquartieren. Beschreiben Sie das Vorgehen, das zur Entdeckung der Anomalie führte. Sie beginnen, Agent Fabri."

Agent Fabri: "Agent Eißner und ich hatten beschlossen, uns bei der Untersuchung des Gebäudes zu trennen. Etwa gegen 23:45 Uhr verließen wir unser Zimmer im Erdgeschoss und ich machte mich auf den Weg in den Keller. Die Räume erwiesen sich als mehr oder weniger schlauchartig hintereinander angeordnet. Im zweiten Raum begann ich, Geräusche zu hören."

Dr. Senger: "Beschreiben Sie sie."

Agent Fabri: "Genau genommen handelte es sich um zwei verschiedene Geräusche. Zum einen dumpfe Schläge gegen ein Rohr oder einen Metalleimer, zum anderen eindeutig menschliche Laute, etwa so, als ob jemand versuchte, durch den geschlossenen Mund zu schreien. Ich näherte mich der Tür zum nächsten Raum und spähte hinein. Es handelte sich um eine Art Heizungskeller. Bei dem Verursacher der Geräusche handelte es sich um den Pfleger, der sich uns als Simon vorgestellt hatte. Er gebärdete sich wie wahnsinnig und schlug abwechselnd Stirn und Fäuste gegen die Rohre, während er die erwähnten Laute ausstieß. Vorsichtshalber zog ich daraufhin meine Waffe. Plötzlich öffnete der Mann eine weitere Tür, die ich von meiner Position aus nicht hatte sehen können. Ich folgte vorsichtig, was nicht notwendig gewesen wäre, denn der Mann war vollständig mit sich selbst beschäftigt. Der Raum erinnerte eher an ein Labor oder Behandlungszimmer, nicht an etwas, dass man hinter einem Heizungskeller erwarten würde. Er hantierte fahrig, aber mit offensichtlicher Erfahrung an einem EEG-Gerät und setzte sich gerade die Haube auf. Sobald das Gerät anlief, wurde er schlagartig ruhig, es schien beinahe, als würde er schlafen."

Dr. Senger: "Nur weiter."

Agent Fabri: "Ich wartete einige Zeit. Dann hörte ich zwei dumpfe Geräusche. Ich sage dumpf, aber ich konnte sie fast sicher als Schüsse identifizieren. Also machte ich mich so schnell ich konnte wieder auf den Weg nach oben."

Dr. Senger: "Danke, Agent Fabri, das genügt zunächst einmal. Zu Ihnen, 140. Beginnen Sie."

Agent Eißner: "Also, ich ging hinauf in den ersten Stock. Ähnlich wie bei Agent Fabri hatte ich so etwas wie einen Schlauch vor mir, einen einzelnen langen Gang, von dem auf jeder Seite vier Türen abgingen. Nur zwei Glühbirnen brannten. Es war dunkel wie im Schuhkarton eines…"

Dr. Senger: "Verschonen Sie uns mit Ihrer blumigen Ausdrucksweise und bleiben Sie sachlich!"

Agent Eißner: "Entschuldigung. Nun, ich bewegte mich langsam den Gang hinunter, als ich bemerkte, dass plötzlich unter der hintersten rechten Tür Licht hervorschien. Ich beschloss, dort anzufangen, schließlich war dieser Raum so gut wie jeder andere. Ich überlegte mir, mich dumm zu stellen und zu behaupten, ich hätte mich verlaufen, falls ich erwischt würde. Ich klopfte einfach mal an. Keine Reaktion, auch nachdem ich nochmal geklopft hatte. Es war offen, also bin ich hineingegangen. Es war niemand da. Der Raum war eingerichtet wie ein sehr großzügiges Büro, allerdings klassisch, nicht modern. Viel Holz, ein superschwerer Mahagonischreibtisch, der sah aus, als könnte man damit den Atlantik… na ja, was mir am meisten auffiel, war ein riesiger roter Samtvorhang, wie aus einem Theater, der eine ganze Wand hinter dem gewaltigen Schreibtischstuhl verdeckte. Es gab nicht nur Licht in dem Raum selbst, sondern es schien auch unter dem Vorhang hervor. Ich bin neugierig geworden und habe eine Seite aufgezogen. Ich habe gedacht mich trifft der Schlag, weil…"

[ Dr. Senger schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch ]

Dr. Senger: [laut] "Zum letzten Mal, reißen Sie sich zusammen! Klar und sachlich!"

Agent Eißner: "Ich bitte um Verzeihung. Ich mache das nicht absichtlich. Hinter dem Vorhang befand sich eine Glasscheibe, dahinter wiederum einige Säulen, die aber nicht bis zur Decke reichten, und eine flackernde, ziemlich unpassend gekleidete Dame, aus Marmor. Interessant, aber dummerweise hatte ich keine Zeit, mich darüber zu wundern, denn jemand hinter mir forderte mich auf, die Hände hochzunehmen. Ein Mann war hereingekommen, dunkler, massiger Typ, mit einer Waffe in der Hand. Er forderte mich auf, von der Scheibe zurückzutreten. Das tat ich und wir kamen ein wenig ins Gespräch. Das meiste davon ist belanglos, wie zum Beispiel meine Aufforderung, er möge mir erklären, was das solle und so weiter. Interessant war dagegen, dass er mir auf den Kopf zusagte, er wisse, dass ich von der Foundation käme. Als ich erwiderte, dann solle er sich das Ganze noch besser überlegen, wurde er leider erst richtig wütend. Ich merkte, dass er mich erschießen wollte, rollte mich zur Seite ab und zog selbst meine Waffe. Er traf nicht, ich leider auch nicht."

Dr. Senger: "Das deckt sich mit Ihren Trainingsergebnissen."

Agent Eißner: "Das ist sicherlich richtig. Aber ich war erleichtert, dass der Mann ein ähnlich schlechter Schütze war. Es kam zu keinen weiteren Schüssen. Die Scheibe zerplatzte hinter ihm in tausend Stücke. Aber er wurde nicht verletzt. Jedenfalls nicht durch die Scherben. Ich bemerkte, dass die flackernde Statue verschwunden war und in diesem Moment spürte ich etwas um und in meinem Kopf. Wie ein windstiller Windhauch. Schwer zu beschreiben, jetzt weiß ich, dass der Begriff dafür "Aura" ist und ein Vorzeichen für einen epileptischen Anfall darstellt. Meinen Gegner hatte es aber deutlicher schlimmer erwischt, er hatte den Großteil von dem, was die Dame zu geben hatte abgekriegt. "Oh, die Wunder!", sagte er. Ziemlich theatralisch. Dann begann er zu schäumen, als ob er sich eine Brausetablette in den Mund gesteckt hätte, zusammen mit einem Schluck Cola. Er schwankte, ließ die Waffe fallen und da spritzte auch schon Blut aus seiner Nase. Dann begannen seine Augen zu bluten. Und dann war er tot. Mein eigenes Gehirn konnte wohl die Aura auch nicht mehr ertragen und zog die Notbremse. Ich verlor das Bewusstsein und kam auf dem Gang wieder zu mir, wohin Agent Fabri mich gezogen hatte."

Dr. Senger: "Gut, damit wäre dieser Punkt abgeschlossen. Und wieder konnten Sie sich einen zynischen und flapsigen Tonfall nicht verkneifen. Dann will ich Ihnen einmal gerne demonstrieren, wohin derart aufmüpfiges Verhalten führt."

Dr. Himmeroth: "Mein Junge, was hast du bloß angestellt?"

Dr. Senger: "Ich muss doch sehr bitten. Muss ich Sie etwa auch noch maßregeln, Dr. Himmeroth? Also, Sie beide sind vertraut mit den Statuten der Foundation?"

[ Die Agenten antworten gleichzeitig ]

Agent Fabri: "Selbstverständlich!"

Agent Eißner: "Natürlich."

Dr. Senger: "Haben Sie dann möglicherweise noch etwas zu sagen?"

[ Einige Sekunden verstreichen ]

Dr. Senger: "Nein? Dann will ich deutlicher werden. Sie müssen ihre Vorgesetzten wohl für sehr unbedarft halten, wenn Sie glauben, wir wüssten nicht, was vor Ihrer Untersuchung passiert ist. Wollen Sie vielleicht jetzt etwas sagen?"

[ Schweigen für weitere Sekunden ]

Dr. Senger: [laut] "Unterhalten Sie beide eine Liebesbeziehung oder nicht?"

Agent Fabri: [fest] "Ja, die haben wir."

Agent Eißner: [leise] "Scheiße, Em…"

Dr. Senger: "Schluss damit, ein für alle Mal! Es wurde bereits jeweils eine Rüge in ihre Personalakten eingetragen. Agent Fabri, Sie werden zeitnah über ihre zukünftige Tätigkeit informiert. Nummer 140, Sie werden einer Spezialeinheit zugeteilt und reisen morgen früh ab. Ein entsprechendes Dossier finden Sie in Ihrer Eindämmungszelle. Sie sind entlassen. Nur eines noch: Ich rate Ihnen dringend, zur Professionalität zurückzukehren und Kontakt untereinander zu vermeiden.


Abschlussnotiz, Stand 1.11.2018: Selbstverständlich sind für die Foundation fiktionale, nicht-anomale Machwerke nicht von Interesse. Könnte allerdings die Wirkungsweise der Anlage völlig verstanden werden, wäre es möglich, das System drastisch zu verkleinern. Im Raume steht eine gewisse Chance, ein Verteidigungsmittel zu konstruieren, das Angreifer schnell und relativ lautlos neutralisiert, ohne dabei wertvolle Geräte und Ähnliches in Mitleidenschaft zu ziehen. Ein Antrag zur Relokalisierung von Forschungspersonal und Ressourcen wurde bereits eingereicht.

Dr. Senger, Forschungsleiter, Standort-DE17


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