Rikjards tertiäre Sandbox

Ich bin so … müde.

Wir … müssen wachbleiben … Doktor … Stein …

Dieses Zischen … Hören Sie … das Zisch…

Paul … nicht einsch… nicht …

Doktor… Hannes … bist du …

Klanic … was … ist …



Automatische Prioritätsbenachrichtigung an den O5-Rat

Notfall: Eindämmungsbruch (heute, 15:22 Uhr UTC)

Ort: Standort-DE6 - Österreich

Objekte außerhalb der Eindämmung: 1

Anzahl der lebenden Mitarbeiter (Stand heute, 15:20 UTC): 389

Anzahl der lebenden Mitarbeiter (Stand heute, 15:30 UTC): 311

AKTUALISIERUNG

Objekt außerhalb der Eindämmung identifiziert.

Objekt-Nr.: SCP-023-DE-LK

Klassifizierung: Keter Neutralisiert

Sicherheitsmaßnahmen wurden eingeleitet.

WARNUNG: Ebene 5 ist kompromittiert.

WARNUNG: Ebene 6 ist kompromittiert.

WARNUNG: Ebene 7 ist kompr

FEHLER

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Das Kreischen des Alarms und die Schreie der Sterbenden ließen Doktor Petr Klanic hochschrecken. Doch es war still. Hatte er nur geträumt? Nun, die Tatsache, dass er mitten in einem der Gänge von Standort-DE-6 in seinem Rollstuhl saß, umgeben von regungslosen Mitmenschen, die von der Notbeleuchtung in ein gelbes Licht getaucht wurden, ließ ihn daran zweifeln.
Er musterte die regungslos daliegenden Menschen. Zwei Forscher in Laborkitteln, drei Sicherheitswachen. In seinem Rollstuhl wäre es Klanic schwer gefallen, den Puls bei diesen Leuten zu prüfen, aber das musste er auch nicht: Allen fünf Personen war der Rumpf an diversen Stellen zerfetzt worden, wodurch diverse, innere Organe sichtbar waren. Klanic vermied es, die Gesichter dieser Leute genauer anzusehen. Wenn er einen davon erkannte, würde ihn das nur ablenken.
Klanic blickt sich um. Hinter ihm führten zwei gerade Linien von einer Blutlache zu seiner momentanen Position, und ein Blick auf die Reifen seines Rollstuhls verriet ihm, dass diese mit Blut bedeckt waren. Also war Klanic erst nach dem Tod dieser Menschen hierher gekommen … und es sah so aus, als ob er ohne zu stoppen an den Leichen vorbeigefahren wäre, wenn er nicht das Bewusstsein verloren hätte. Aber er konnte sich nicht daran erinnern.
Er fuhr zur Tür an der nächsten Kreuzung des Gangs, um sich zu orientieren. Neben der Tür hing ein Schild mit der Aufschrift "SCP-077-DE". Dies verriet Klanic, dass er auf Ebene 5 von Standort-DE6 war … aber er konnte sich nicht daran erinnern, wie er dorthin gekommen war. Er kniff die Augen zu und dachte angestrengt nach, versuchte, sich zu erinnern … doch das Letzte, an dass er sich vor seinem Erwachen zwischen den Leichen erinnern konnte, war seine Mittagspause in der Kantine auf Ebene 2. Seine Mittagspause, die er mit Dr. Stein und Sicherheitswache Enns verbracht hatte.
Hannes … und Paul.
Sein Blick richtete sich wieder zu den fünf Leichen, zwischen denen er erwacht war. Forscher und Sicherheitswachen. Wenn Hannes Stein einer von ihnen war, oder Paul Enns …

Klanic schüttelte seinen Kopf, wandte seinen Blick ab. Konzentrier dich.
Er drehte seinen Rollstuhl und fuhr den Gang entlang, in Richtung des nächstgelegenen Aufzugs. In Anbetracht dessen, dass die Notbeleuchtung funktionierte, bestand eine relativ gute Chance, dass die Aufzüge noch funktionierten, sofern die Ebene nicht abgeriegelt worden war.
Drei Ecken und vier grausam stille Minuten später erreichte Klanic den Aufzug. Die Türen des Aufzugs waren herausgerissen worden, die Aufzugskabine hing einen halben Meter tiefer, als sie es sollte; und Wände und Boden im Inneren des Aufzugs waren rot mit dem Blut der drei Leichen, die darin lagen.
Was war hierfür verantwortlich? Vermutlich ein ausgebrochenes SCP … aber welches? Er war auf Ebene 5, also bestand Grund zur Annahme, dass es eines der SCPs von dieser Ebene war … oder eines von Ebene 6, welches diese Ebene auf seiner Flucht passiert hatte. Klanic betete, dass es keines der Keter-SCPs war. Es gestaltete sich immer als schwierig, ein solches wieder einzufangen.
"Dr. Klanic?"
Klanic zuckte zusammen und wandte seinen Blick in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren. Dr. Doris Martinetz trat aus einer Eindämmungszelle.
"Sie leben ja noch."
"Freut mich auch, Sie zu sehen, Frau Doktor." Klanics Blick haftete an der Tür, aus der die Ärztin getreten war. "Was haben Sie da drinnen gemacht?"
Dr. Martinetz zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Bin eben erst aufgewacht."
"Was ist mit SCP—"
"Liegt tot in der Zelle", antwortete Dr. Martinetz auf die Frage, die Klanic stellen wollte. "Tiefe Reißwunden im Brustkorb, anscheinend von Krallen mit mindestens vier Zentimetern Länge."
Klanic zog die Augenbrauen hoch. "Das haben Sie so schnell erkannt?"
"Ich bin eine gute Ärztin, Klanic, auch wenn Sie es nicht glauben wollen."
Klanic seufzte. "Entschuldigen Sie. Ich weiß, ich war nicht immer nett zu Ihnen, aber momentan gibt es größere Probleme."
"Stimme Ihnen völlig zu. Können Sie sich an irgendetwas erinnern?"
Klanic schüttelte den Kopf. "An meine Mittagspause, dann bin ich hier unten aufgewacht."
Dr. Martinetz nickte. "Ähnlich. Es war 13 Uhr, als ich einen Anruf von einer der Sicherheitswachen erhielt."
"Der Anruf … worum ging es?"
"Ich weiß es nicht mehr", erklärte Martinetz. "Der Mann klang panisch und redete viel zu schnell, als dass ich etwas hätte verstehen können. Und dann Filmriss."
"Kennen Sie ein SCP, welches zu dem Zustand der Leichen passen würde?"
"Ein paar", erklärte Martinetz, "aber keines, welches wir an diesem Standort haben und welches nicht auch andere Dinge wie purpurne Flammen oder dergleichen hinterlassen würde."
Klanic nickte. "Wir sollten als erstes einen Weg auf die oberen Ebenen finden - bedenkt man, dass wir trotz Ohnmacht überlebt haben, kann man davon ausgehen, dass sich das verantwortliche SCP nicht mehr auf dieser Ebene befindet."
"Dr. Klanic … wollen Sie sich nicht lieber in einer der Zellen in Sicherheit bringen?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Frau Doktor, ich weiß, dass Sie Angst haben, aber wenn wir helfen können-"
"Angst ist ein natürlicher Überlebensinstinkt. Wir haben beide Angst." Martinetz schüttelte den Kopf. "Aber das meinte ich nicht. Sie sollten sich in Sicherheit bringen, während ich nach oben gehe."
Klanic blinzelte. Er hatte viel von dieser Person erwartet, aber nicht so etwas. "Ich werde mich hier nicht verstecken, während da oben Menschen sterben."
"Erstens: Ich kann über eine Leiter oder Treppen nach oben. Sie, Doktor Klanic, können das nicht. Zweitens: Was wollen Sie tun? Für die Erstversorgung von Verwundungen muss man mobiler sein als Sie es in ihrem Rollstuhl sind. Und wenn Sie auf das verantwortliche Monster treffen, was wollen Sie tun? Ihm gegen die Knie fahren, bis es aufgibt?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Diese Diskussion ist Zeitverschwendung. Wir suchen jetzt einen Weg nach oben - und wenn wir eine Leiter finden, werde ich Sie nicht abhalten, raufzuklettern. Aber wenn wir einen rollstuhlfreundlichen Weg finden, lasse ich mich nicht von Ihnen abhalten."
Doris seufzte. "Sie sind ein sehr sturer Mann … aber wie Sie wollen. Wir haben genug Zeit verschwendet."

AKTUALISIERUNG

Zeit seit Eindämmungsbruch: 191 Minuten

Status von SCP-023-DE-LK: Nicht eingedämmt

Objekt konnte noch nicht sichergestellt werden.

Standard-Sicherheitsmaßnahmen unzureichend.

Protokoll LK23-F-DE wird eingeleitet.

Zugriff auf interne Kommunikation wird eingeleitet.




"Könnte es ein memetischer Effekt sein?", fragte Dr. Martinetz.
Klanic schüttelte den Kopf. "Ich habe ein Memetik-Abwehr-Training durchlaufen. Abgesehen von gottgleichen Veränderungen der Realität sollten memetische Effekte mich also nicht betreffen."
"Dann …" Martinetz lachte. "Oh, ich weiß es."
"… Lassen Sie mich mitlachen?"
Martinetz nickte. "Komponente 73-B-Gamma."
Klanic blinzelte. "Sollte mir das etwas sagen?"
"Es ist eine Chemikalie, die etwa eine Stunde aus der Erinnerung löschen kann. Kann auch gasförmig abgegeben werden."
"Also ein Amnesikum?" Klanic seufzte. "Hätten Sie gleich sagen können."
Martinetz schüttelte den Kopf. "Mehr als das. Es löscht nicht nur Erinnerungen, sondern auch memetische Effekte, unabhängig davon, ob diese nur den Verstand oder auch den Körper beeinflussen."
"Wieso benutzen wir das dann nicht ständig?", fragte Klanic.
Dr. Martinetz zuckte mit den Schultern. "Weil es etwa zwanzig Prozent aller memetischen Effekte in sich aufnimmt und durch die Luft verteilt.
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