Rikjards tertiäre Sandbox

Ich bin so … müde.

Wir … müssen wachbleiben … Doktor … Stein …

Dieses Zischen … Hören Sie … das Zisch…

Paul … nicht einsch… nicht …

Doktor… Hannes … bist du …

Klanic … was … ist …



Automatische Prioritätsbenachrichtigung an den O5-Rat

Notfall: Eindämmungsbruch (heute, 15:22 Uhr UTC)

Ort: Standort-DE6 - Österreich

Objekte außerhalb der Eindämmung: 1

Anzahl der lebenden Mitarbeiter (Stand heute, 15:20 UTC): 389

Anzahl der lebenden Mitarbeiter (Stand heute, 15:30 UTC): 311

AKTUALISIERUNG

Objekt außerhalb der Eindämmung identifiziert.

Objekt-Nr.: SCP-023-LK-DE

Klassifizierung: Keter Neutralisiert

Sicherheitsmaßnahmen wurden eingeleitet.

WARNUNG: Ebene 5 ist kompromittiert.

WARNUNG: Ebene 6 ist kompromittiert.

WARNUNG: Ebene 7 ist kompr

FEHLER

FEHLER

FEHLER



Das Kreischen des Alarms und die Schreie der Sterbenden ließen Doktor Petr Klanic hochschrecken. Doch es war still. Hatte er nur geträumt? Nun, die Tatsache, dass er mitten in einem der Gänge von Standort-DE-6 in seinem Rollstuhl saß, umgeben von regungslosen Mitmenschen, die von der Notbeleuchtung in ein gelbes Licht getaucht wurden, ließ ihn daran zweifeln.
Er musterte die regungslos daliegenden Menschen. Zwei Forscher in Laborkitteln, drei Sicherheitswachen. In seinem Rollstuhl wäre es Klanic schwer gefallen, den Puls bei diesen Leuten zu prüfen, aber das musste er auch nicht: Allen fünf Personen war der Rumpf an diversen Stellen zerfetzt worden, wodurch diverse, innere Organe sichtbar waren. Klanic vermied es, die Gesichter dieser Leute genauer anzusehen. Wenn er einen davon erkannte, würde ihn das nur ablenken.
Klanic blickt sich um. Hinter ihm führten zwei gerade Linien von einer Blutlache zu seiner momentanen Position, und ein Blick auf die Reifen seines Rollstuhls verriet ihm, dass diese mit Blut bedeckt waren. Also war Klanic erst nach dem Tod dieser Menschen hierher gekommen … und es sah so aus, als ob er ohne zu stoppen an den Leichen vorbeigefahren wäre, wenn er nicht das Bewusstsein verloren hätte. Aber er konnte sich nicht daran erinnern.
Er fuhr zur verschlossenen Tür an der nächsten Kreuzung des Gangs, um sich zu orientieren. Neben der Tür hing ein Schild mit der Aufschrift "SCP-077-DE". Dies verriet Klanic, dass er auf Ebene 5 von Standort-DE6 war … aber er konnte sich nicht daran erinnern, wie er dorthin gekommen war. Er kniff die Augen zu und dachte angestrengt nach, versuchte, sich zu erinnern … doch das Letzte, an dass er sich vor seinem Erwachen zwischen den Leichen erinnern konnte, war seine Mittagspause in der Kantine auf Ebene 2. Seine Mittagspause, die er mit Dr. Stein und Sicherheitswache Enns verbracht hatte.
Hannes … und Paul.
Sein Blick richtete sich wieder zu den fünf Leichen, zwischen denen er erwacht war. Forscher und Sicherheitswachen. Wenn Hannes Stein einer von ihnen war, oder Paul Enns …

Klanic schüttelte seinen Kopf, wandte seinen Blick ab. Konzentrier dich.
Er drehte seinen Rollstuhl und fuhr den Gang entlang, in Richtung des nächstgelegenen Aufzugs. In Anbetracht dessen, dass die Notbeleuchtung funktionierte, bestand eine relativ gute Chance, dass die Aufzüge noch funktionierten, sofern die Ebene nicht abgeriegelt worden war.
Drei Ecken und vier grausam stille Minuten später erreichte Klanic den Aufzug. Die Türen des Aufzugs waren herausgerissen worden, die Aufzugskabine hing einen halben Meter tiefer, als sie es sollte; und Wände und Boden im Inneren des Aufzugs waren rot mit dem Blut der drei Leichen, die darin lagen.
Was war hierfür verantwortlich? Vermutlich ein ausgebrochenes SCP … aber welches? Er war auf Ebene 5, also bestand Grund zur Annahme, dass es eines der SCPs von dieser Ebene war … oder eines von Ebene 6, welches diese Ebene auf seiner Flucht passiert hatte. Klanic betete, dass es keines der Keter-SCPs war. Es gestaltete sich immer als schwierig, ein solches wieder einzufangen.
"Dr. Klanic?"
Klanic zuckte zusammen und wandte seinen Blick in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren. Dr. Doris Martinetz trat aus einer Eindämmungszelle.
"Sie leben ja noch."
"Freut mich auch, Sie zu sehen, Frau Doktor." Klanics Blick haftete an der Tür, aus der die Ärztin getreten war. "Was haben Sie da drinnen gemacht?"
Dr. Martinetz zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Bin eben erst aufgewacht."
"Was ist mit SCP—"
"Liegt tot in der Zelle", antwortete Dr. Martinetz auf die Frage, die Klanic stellen wollte. "Tiefe Reißwunden im Brustkorb, anscheinend von Krallen mit mindestens vier Zentimetern Länge."
Klanic zog die Augenbrauen hoch. "Das haben Sie so schnell erkannt?"
"Ich bin eine gute Ärztin, Klanic, auch wenn Sie es nicht glauben wollen."
Klanic seufzte. "Entschuldigen Sie. Ich weiß, ich war nicht immer nett zu Ihnen, aber momentan gibt es größere Probleme."
"Stimme Ihnen völlig zu. Können Sie sich an irgendetwas erinnern?"
Klanic schüttelte den Kopf. "An meine Mittagspause, dann bin ich hier unten aufgewacht."
Dr. Martinetz nickte. "Ähnlich. Es war 13 Uhr, als ich einen Anruf von einer der Sicherheitswachen erhielt."
"Der Anruf … worum ging es?"
"Ich weiß es nicht mehr", erklärte Martinetz. "Der Mann klang panisch und redete viel zu schnell, als dass ich etwas hätte verstehen können. Und dann … Filmriss."
"Kennen Sie ein SCP, welches zu dem Zustand der Leichen passen würde?"
"Ein paar", erklärte Martinetz, "aber keines, welches wir an diesem Standort haben und welches nicht auch andere Dinge wie purpurne Flammen oder dergleichen hinterlassen würde."
Klanic nickte. "Wir sollten als erstes einen Weg auf die oberen Ebenen finden - bedenkt man, dass wir trotz Ohnmacht überlebt haben, kann man davon ausgehen, dass sich das verantwortliche SCP nicht mehr auf dieser Ebene befindet."
"Dr. Klanic … wollen Sie sich nicht lieber in einer der Zellen in Sicherheit bringen?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Frau Doktor, ich weiß, dass Sie Angst haben, aber wenn wir helfen können-"
"Angst ist ein natürlicher Überlebensinstinkt. Wir haben beide Angst." Martinetz schüttelte den Kopf. "Aber das meinte ich nicht. Sie sollten sich in Sicherheit bringen, während ich nach oben gehe."
Klanic blinzelte. Er hatte viel von dieser Person erwartet, aber nicht so etwas. "Ich werde mich hier nicht verstecken, während da oben Menschen sterben."
"Erstens: Ich kann über eine Leiter oder Treppen nach oben. Sie, Doktor Klanic, können das nicht. Zweitens: Was wollen Sie tun? Für die Erstversorgung von Verwundungen muss man mobiler sein als Sie es in ihrem Rollstuhl sind. Und wenn Sie auf das verantwortliche Monster treffen, was wollen Sie tun? Ihm gegen die Knie fahren, bis es aufgibt?"
Klanic schüttelte den Kopf. "Diese Diskussion ist Zeitverschwendung. Wir suchen jetzt einen Weg nach oben - und wenn wir eine Leiter finden, werde ich Sie nicht abhalten, raufzuklettern. Aber wenn wir einen rollstuhlfreundlichen Weg finden, lasse ich mich nicht von Ihnen abhalten."
Doris seufzte. "Sie sind ein sehr sturer Mann … aber wie Sie wollen. Wir haben genug Zeit verschwendet."

AKTUALISIERUNG

Zeit seit Eindämmungsbruch: 191 Minuten

Status von SCP-023-DE-LK: Nicht eingedämmt

Objekte konnten noch nicht sichergestellt werden.

Standard-Sicherheitsmaßnahmen unzureichend.

Protokoll LK23-F-DE wird eingeleitet.

Anzahl der einzudämmenden Objekte: 6

Zugriff auf interne Kommunikation wird eingeleitet.



"Könnte es ein memetischer Effekt sein?", fragte Dr. Martinetz.
Klanic schüttelte den Kopf. "Ich habe ein Memetik-Abwehr-Training durchlaufen. Abgesehen von gottgleichen Veränderungen der Realität sollten memetische Effekte mich also nicht betreffen."
"Dann …" Martinetz lachte. "Oh, ich weiß es."
"… Lassen Sie mich mitlachen?"
Martinetz nickte. "Komponente 73-B-Gamma."
Klanic blinzelte. "Sollte mir das etwas sagen?"
"Es ist eine Chemikalie, die etwa eine Stunde aus der Erinnerung löschen kann. Kann auch gasförmig abgegeben werden."
"Also ein Amnesikum?" Klanic seufzte. "Hätten Sie gleich sagen können."
Martinetz schüttelte den Kopf. "Mehr als das. Es löscht nicht nur Erinnerungen, sondern auch memetische Effekte, unabhängig davon, ob diese nur den Verstand oder auch den Körper beeinflussen."
"Wieso benutzen wir das dann nicht ständig?", fragte Klanic.
Dr. Martinetz zuckte mit den Schultern. "Weil es etwa siebzig Prozent aller memetischen Effekte in sich aufnimmt und durch die Luft verteilt."
"Das … ist ein Nachteil … aber wie zur Hölle funktioniert das?"
"Da fragen Sie die Falsche, Dr. Klanic. Ich bin Ärztin, keine Chemikerin oder Memetik-Spezialistin." Sie blickte an Klanic vorbei. "Das … sehen Sie das auch?"
Klanic folgte ihrem Blick, durch eine offenstehende Tür zu einem Sicherheitsraum. Ein Bildschirm gegenüber der Tür zeigte in großen Buchstaben: 'DR KLANIC - DR MARTINETZ: EINTRETEN FÜR BRIEFING'.
Klanic blinzelte. "Das ist ungewöhnlich." Er fuhr mit seinem Rollstuhl hinein, Dr. Martinetz folgte ihm zögerlich.
"Wieso zeigt der Bildschirm unsere Namen?", fragte sie, während sie sich im Sicherheitsraum umsah. Keine Leichen, aber ein paar Blutspritzer.
Klanic zuckte mit den Schultern. "Zwei Möglichkeiten. Ein ungewöhnlich spezialisiertes Sicherheitsprotokoll, welches durch Stimmenerkennung aktiviert wurde, oder jemand weiß, dass wir hier sind."
Ein Rauschen erklang aus einem Lautsprecher, gefolgt von einer mechanischen Stimme: "Tür schließen. Aufmerksamkeit. Anmerkung: Doktor Klanic hat in beiden Punkten relativ recht."
Dr. Martinetz schloss die Tür, während Klanic fragte: "Wer sind Sie?"
"Irrelevant", erwiderte die Stimme, "beginne Briefing. Vor ungefähr 200 Minuten brach ein mit Informationsgefahr infiziertes Subjekt aus Eindämmung aus, Informationsgefahr breitet sich in Standort-DE6 aus. Abriegelung der Ebenen vier, fünf, sechs und zensiert ist in Kraft. Eindämmungsprotokolle in Kraft. Anmerkung: Sämtliche noch lebenden Mitarbeiter innerhalb der Abriegelung sind aktiver Teil der Eindämmungsprotokolle."
"Ein Rollstuhlfahrer und eine Ärztin sollen eine Informationsgefahr eindämmen, die Menschen zerfetzt?", fragte Martinetz kopfschüttelnd. "Was sollen wir machen? Uns die Augen verbinden und um uns ballern, bis wir alle Betroffenen erledigt haben?"
"Unterbrechung wird ignoriert. Anweisungen: Zwei Funkclips aus Sicherheitsschrank nehmen, auf Frequenz Nummer siebenundddreißig und Frequenz Nummer vierundvierzig einstellen. Weitere Anweisungen folgen danach."
Klanic fuhr zum Sicherheitsschrank, während Dr. Martinetz mit deutlicher Gereiztheit in der Stimme sagte: "Klanic, lassen Sie das. Bevor wir irgendwelchen Anweisungen folgen, will ich wissen, wer uns diese Anweisungen gibt."
Klanic öffnete unbeirrt den Schrank und sagte: "Die Anweisungen kommen wahrscheinlich direkt von O5, und werden uns durch eine KI weitergeleitet. KIRA, um genau zu sein."
"Korrekt. Fortfahren", erwiderte die mechanische Stimme.
"Woher wissen Sie das?", fragte Martinetz.
"Künstlich erzeugte Stimme", antwortete Klanic. "Eine Informationsgefahr ist frei. Und die Stimme gab mir vorhin in beiden Punkten recht. KIRA wurde zur Eindämmung eines SCPs entwickelt, also scheint es logisch, dass die O5 sie auch für andere Eindämmungsprotokolle benutzen. Auch wenn mir nicht ganz klar ist, wieso eine zur Eindämmung von KIs erschaffene KI bei einer Informationsgefahr eingesetzt wird."
"Infektion mit Informationsgefahr ist durch keine derzeit bekannten Möglichkeiten abzuwehren. Wissen über die Existenz reicht zur Infektion aus. Ausschließlich digitales Personal daher einzige Option", erklärte KIRA.
Während Dr. Martinetz den von Klanic eingestellten Funkclip entgegennahm und in ihr Ohr einsetzte, murmelte sie: "Personal … eine KI als Personal …"
"Technisch gesehen Inventar. Menschliche Psyche aber zumeist vertrauensvoller gegenüber simulierter Persönlichkeit", erklärte KIRA.
"Also", begann Klanic, während er den Funkclip in sein Ohr setzte, "womit haben wir es zu tun?"
"Informationsgefahr. Mutiert infizierte Subjekte. Anblick Infizierter in visuell ersichtlichem Stadium der Mutation reicht für Infektion."
"Also dürfen wir Infizierte nicht mal ansehen?", fragte Martinetz.
"Korrekt. Überwache verbliebenes Überwachungsequipment. Werde Anweisungen geben, um direkte Konfrontation zu vermeiden."
"Frage: Die Anlage wurde mit einem Amnesikum, welches memetische Effekte bekämpft, geflutet", erklärte Klanic.
"Korrekt. Teil der ersten Eindämmungsprozeduren ist periodisch wiederholte Freisetzung von Komponente 73-B-Gamma, um Ausbreitung zu verhindern", antwortete KIRA.
"Wieso ist die Informationsgefahr dann noch nicht eingedämmt?", fuhr Klanic fort.
"Gas zeigt nur bei Subjekten vor der ersten Stufe der Mutation Wirkung. Ab der ersten Stufe der Mutation werden Erinnerungen zwar gelöscht, Mutation schreitet aber voran. Erhöhte Anzahl an Infektionen zwischen periodischer Gasfreisetzung führte zu vermehrter Anzahl an infizierten Mitarbeitern." Der Bildschirm wechselte nun zu einem Grundriss der Ebene, auf der sich Klanic und Martinetz befanden. "Um völlige Eindämmung zu erzielen, müssen sämtliche infizierten Subjekte in diesen Aufzugsschacht gebracht werden." Einer der Aufzugsschächte leuchtete auf dem Grundriss auf. "Elektrisch geladene Wände verhindern Herausklettern. Aufzugtüren geöffnet, Schacht leer. Sobald alle Infizierten Subjekte in den Schacht befördert wurden, werden Aufzugstüren geschlossen und Schacht mit Schwefelsäure geflutet. Dies treibt Subjekte in ursprüngliche Eindämmung zurück."
Klanic schüttelte den Kopf. "Der Aufzugsschacht endet in Ebene 6. Wie sollen die Subjekte da wieder in die eigentliche Eindämmung zurückkommen?"
Einen Moment lang blieb es still, ehe KIRA antwortete: "Irrelevant. Eindämmung ist dann wieder ausreichend, Aufräumarbeiten können beginnen."
"Das ist nicht irrelevant", erwiderte Dr. Martinetz. "Auf Ebene 6 haben wir die Keter-SCPs. Was ist, wenn eines von denen von der Informationsgefahr infiziert wird?"
"Subjekte werden sich nicht auf Ebene 6 befinden. Eindämmung in Aufzugsschacht wird zu erfolgreicher Eindämmung der Informationsgefahr führen."
"Aber wie?", fragte Martinetz.
Klanic fuhr sich nachdenklich übers Kinn. "KIRA … welche Bereiche sind abgeriegelt?"
"Ebenen vier, fünf, sechs und zensiert", antwortete die KI.
"Zensiert?", fragte Martinetz, "Wir sollen Monster, die wir nicht mal sehen dürfen eindämmen, und doch sagt man uns nicht alles?"
Klanic gluckste. "Müssen sie nicht. Der Aufzugsschacht führt wahrscheinlich zu Ebene sieben."
"Dieser Standort hat nur sechs Ebenen!" Martinetz schüttelte aufgebracht den Kopf. "Können Sie nicht mal mehr zählen?"
"Beruhigen Sie sich." Klanic bedachte Martinetz mit einem Blick, der die Ärztin unwillkürlich zurückweichen ließ. "Was sonst sollte es sein? Eine 'zensierte' Ebene, um eine anders nicht unter Kontrolle zu bringende Informationsgefahr einzudämmen. Ergibt Sinn."
"Darüber kann man streiten", murmelte Martinetz.
"KIRA", begann Klanic, "wie sollen wir die Infizierten in den Aufzugsschacht befördern?"
"Multiple Optionen." Auf dem Bildschirm leuchteten nun vereinzelte Punkte auf. "Frühere Versuche weisen auf appetitanregende Wirkung der olfaktorischen Signatur menschlicher Körperflüssigkeiten hin."
"Blut lockt die Infizierten an?", fragte Klanic.
"Korrekt. Leichen auf Bildschirm markiert. Zu Schacht transportieren und hineinwerfen. Ventilatoren im Schacht führen anschließend zu Verteilung der Geruchsspur durch Aufzugsschacht und in die betroffenen Ebenen. Warnung: Leichen zu bewegen kann olfaktorische Signatur verteilen und zu verfrühter Anlockung der Infizierten führen."
"Die Leichen unserer Kollegen als Köder …" Martinetz schüttelte den Kopf. "Ich bin nicht sicher ob das für die Foundation als zahm oder ungewöhnlich ruchlos gilt, aber ich würde Alternativen bevorzugen."
Die Anzeige auf dem Bildschirm wechselte zu einer Darstellung eines nackten, menschlichen Körpers; an diversen Schlagarden befanden sich rot markierte Stellen. "Alternativ eigenes Blut in den Aufzugsschacht und in die umgebenden Gänge verteilen. Warnung: Erhöhter Zeitaufwand. Geringere Erfolgschance. Risiko der Ohnmacht durch Sauerstoffmangel im Gehirn. Infizierte werden potenziell Aufzugsschacht ignorieren und Mitarbeiter verfolgen."
Klanic seufzte. "Andere Möglichkeiten?"
"Eine", erwiderte KIRA, und die Darstellung auf dem Bildschirm wechselte wieder zum Grundriss der Ebene, der Aufzugsschacht wieder markiert. "Bergungsseil aus Sicherheitsspind nehmen, in Schacht anbringen. Mitarbeiter werden angeleitet, sich den Infizierten weit genug zu nähern, um Verfolgung zu provozieren, springen dann in Aufzugsschacht, schwingen an Seil zur hinteren Wand des Schachtes, halten sich dort fest, Infizierte springen möglicherweise nach und fallen in Schacht. Warnung: Hohes Risiko. Geringe Erfolgschance."
Martinetz schüttelte den Kopf. "Leichenschändung, Selbstverstümmelung, Actionfilm-Aktion … gibt es sonst keine Möglichkeiten?"
"Letztes Notfallprotokoll. Hochkonzentrierte Fluorwasserstoffsäure durch Lüftungssysteme in abgeriegelten Ebenen verteilen. Mittlere Erfolgschance. Warnung: Überleben der verbliebenen lebenden Mitarbeiter unwahrscheinlich. Kann Eindämmungsversagen bei multiplen potenziell Säure- und Toxinresistenten Objekten herbeiführen, da starke Konzentration der Säure Türen und andere Eindämmungsmaßnahmen beschädigen kann."
Klanic sah Martinetz mit einem beinahe belustigten Gesichtausdruck an.
Die Ärztin seufzte. "Dann sammeln wir mal die Leichen ein."

AKTUALISIERUNG

Zeit seit Eindämmungsbruch: 208 Minuten

Status von SCP-023-DE-LK: Nicht eingedämmt

Objekte konnten noch nicht sichergestellt werden.

Protokoll LK23-F-DE ist in Kraft.

Anzahl der aktiv beteiligten Mitarbeiter: 2

Anzahl der einzudämmenden Objekte: 6

Derzeitige Erfolgschance einer Eindämmung: 46,06%

Letzte Notfalloption wurde vorbereitet und kann jederzeit eingeleitet werden.

"Hannes!"
Dr. Hannes Stein schlug die Augen auf. Neben ihm kniete Sicherheitswache Paul Enns, der nun erleichtert ausatmete. "Ich dachte schon, du … geht es dir gut?"
Stein nickte. "Ja … aber … wo sind wir?"
"Soweit ich das sehen kann, in einer der unteren Ebenen, fünf oder sechs." Paul stand auf, nahm Hannes' Hand und zog ihn auf die Beine.
"Hast du auch 'nen Filmriss?", fragte Stein.
Paul nickte. "Irgendwas hat uns ausgeknockt und 'nen Teil unserer Erinnerungen gelöscht. Vielleicht ein SCP?"
"Oder ein Eindämmungsprotokoll." Hannes sah sich um. "Was heißen würde, das hier irgendwo ein SCP frei rum- Ah!"
Hannes griff sich an den Bauch, seine Eingeweide zogen sich schmerzhaft zusammen, seine Zähne schienen in Flammen zu stehen, und ein lautes Pfeifen stach durch seinen Kopf.
Paul ergriff Hannes an den Schultern. "Hannes, sieh mich an. Was ist los?"
Stein schüttelte den Kopf. "Ich … es tut weh …"
Der Schmerz in seinen Eingeweiden lockerte sich, das Pfeiffen in seinen Ohren wurden leiser, und seine Zähne … brannten nicht mehr, fühlten sich aber an, als ob sie zu groß für einen Kiefer wären.
"Das … ich habe keine Ahnung, was das war, aber … es war nicht angenehm. Scheiße …"
Paul strich seinem Verlobten über die Wange. "Geht es wieder? Wir sehen zu, dass wir es zum Lazarett schaffen, und die gute Frau Doktor soll sich dich ansehen."
"Heh … da leide ich schon Schmerzen, und du willst mich noch bestrafen, indem du mich zu der alten Hexe schleifst?" Er lächelte Paul schelmisch an, der Schmerz nun beinahe völlig weg.
"Hey, du wolltest doch schon länger mal Sadomaso ausprobieren. Doris ist dann einfach das Vorspiel." Paul zwinkerte, ehe er sich umsah. "Aber bevor wir zuviel übers Vorspiel nachdenken, sollten wir mal zusehen, dass wir von hier wegkommen."
Stein sah sich um. Der Gang führte zu zwei Kreuzungen. "Und wohin?"
Paul ging zur nächstgelegenen Tür. "Hm … Holztür mit Kreuz, Davidsstern und salomonischem Siegel … SCP-097-DE. Wir sind auf Ebene 6."
"Bitte sag mir, dass die Tür noch intakt ist."
Paul nickte. "Jep. Also dürfte der liebe Reichsdämon noch sicher in seinem schmiedeeisernen Käfig hocken."
Hannes zog die Augenbrauen hoch. "Seit wann kennst du die Eindämmungsprozeduren für Keter-SCPs?"
"Du hasts mir erzählt", erwiderte Paul schulterzuckend.
Stein schüttelte den Kopf. "Dass ich es nicht mal wer weiß, wenn ich beschränkte Infos ausplaudere …"
Ein jähes Stechen in Steins Kopf, ein schwarzer Fleck zog über seine Augen, und … Paul ging zur nächstgelegenen Tür.
"Hm … Holztür mit Kreuz, Davidsstern und salomonischem Siegel … SCP-097-DE, richtig? Dann sind wir auf Ebene 6."
"Bitte sag mir, das die Tür noch intakt ist."
Paul nickte. "Jep. Was auch immer das Dinge da drin genau ist, es ist noch eingesperrt." Er sah Hannes an. "Also, wohin?"
"Das Treppenhaus ist dort entlang", antwortete Hannes, ehe er Paul bei der Hand nahm und losging. Als Paul die Hand fragend ansah, erklärte Hannes: "Nicht, dass ich dich hier unten verliere."
"Keine Angst, das werde ich schon verhindern."

"Das ist keine gute Idee."
"KIRA leitet uns an, und wir sollten das hier so schnell wie möglich erledigen", erwiderte Klanic.
Dr. Martinetz seufzte. "Nun gut. Aber es gefällt mir nicht, sie alleine herumfahren zu lassen."
"Ich weiß Ihre Sorge zu schätzen, aber ich kann auf mich aufpassen."
Damit wandte Klanic seinen Rollstuhl um und fuhr los. Auch wenn Martinetz protestiert hatte, war es trotzdem das Beste, sich aufzuteilen. Alleine schon, damit im Falle einer Begegnung mit der Informationsgefahr nur einer der Beiden infiziert werden konnte … und damit der Andere ihn erledigen konnte, bevor die Mutation begann.
"Nächstgelegene Leiche befindet sich 15 Meter voraus", erklang die mechanische Stimme aus Klanics Funkgerät.
"Ich sehe sie, KIRA." Klanic seufzte. "Aber danke."
Er wusste zwar, dass es eine KI war, der nichts an Höflichkeit lag, aber er war alleine schon dankbar, eine Stimme zu hören. Er mochte es nicht, während eines Eindämmungsbruchs alleine zu sein … auch wenn es seine Idee gewesen war, getrennt vorzugehen.
Klanic kam bei der Leiche an. Er platzierte seinen Rollstuhl seitlich neben der Leiche, ergriff einen der Arme, und zog die Leiche daran hoch, über seine Armlehne und über seinen Schoß, bis der Rumpf der Leiche in seinem Schoß ruhte und Arme und Beine neben den Rollstuhlrädern herunterhingen.
"Anmerkung: Wie gedenken Sie, die Räder des Rollstuhls zu ergreifen und zu bewegen?", erklang KIRAs Stimme durch das Funkgerät.
Klanic gluckste. "Gar nicht."
Er griff unter seinen Sitz, holte einen kleinen Joystick heraus, und steckte dessen Kabel in einen Anschluss, der unter der Rollstuhllehne verborgen war.
"Versteckter Motor. Fehler: Nicht in Personalakte aufgeführt", sagte KIRA.
Klanic zuckte mit den Schultern, während er den Joystick bewegte, um loszufahren. "In meiner Personalakte stand auch nichts über die Schrotflinte unter meinem Sitzpolster bis zu Vorfall 097-DE-03."
"Sicherheitsverstoß, der in einer Mahnung endete", erwiderte KIRA. "Weshalb wurde Motorfunktion des Rollstuhls nicht gemeldet?"
"Weil das eigentlich nur eine private Spielerei war. Hatte nicht damit gerechnet, es mal im Dienst zu benutzen."
"Monteur des Motors zur Eintragung in Akte bekanntgeben."
Klanic gluckste erneut. "Dr. Petr Klanic."
"Sie haben selbsttätig einen versteckten Motor in Ihren Rollstuhl eingebaut?"
"Ich bastle gerne." Klanic konnte sich das Lächeln nicht verkneifen.
"Augenscheinliche Kenntnisse über Elektronik und Kleinmotoren werden vermerkt."
"Was? Sag mir nicht, dass das auch einen Sicherheitsverstoß darstellt", sagte Klanic kopfschüttelnd.
"Negativ. Kenntnisse könnten bei künftigen Eindämmungsbrüchen nützlich sein."
Klanic schüttelte den Kopf. KIRA war ein KI, ohne echte Intelligenz und ohne freien Willen … aber irgendwie war sie ihm sympathisch.
Als er beim Auszugsschacht ankam, stand Dr. Martinetz bereits davor, Augen geschlossen und Hände gefaltet; vor ihr lag die Leiche einer jungen Forscherin. Ihre Rippen fehlten.
"Und das ewige Licht leuchte ihnen. Lasse sie ruhen in Frieden. Amen." Martinetz schlug die Augen auf, seufzte, und beförderte die Leiche mit einem gezielten Tritt in den Auszugsschacht.
"Frau Doktor", begann Klanic, "Sie können später für die Toten beten, aber …"
"Schlimm genug, dass wir die Leichen guter Menschen benutzen, dann sollen wir ihnen nicht mal ein Minimum an Respekt zollen?" Dr. Martinetz' Augen glänzten, ihre Unterlippe zitterte.
Klanic seufzte. "Es tut mir leid, Frau Doktor, aber wir können uns keine Verzögerungen leisten."
"Dann machen Sie's doch alleine. Ich habe kein Interesse daran, Leichen zu schänden."
Ein Knirschen in Klanic' Ohr sagte ihm, dass KIRA etwas am Funk geändert hatte, ehe ihre Stimme durchdrang: "Appellieren Sie an Dr. Martinetz' Gewissen. Benutzen Sie einen Vergleich zu medizinischen Vorgängen. Laut psychlogischem Profil wird das die weitere Zusammenarbeit vereinfachen."
"Doktor Martinetz … Sie sind Ärztin. Was ist die Triage?"
Die Ärztin schüttelte den Kopf. "Was soll das?"
"Antworten Sie."
Dr. Martinetz wischte sich die Tränen ab. "Eine Methode zur Priorisierung bei einer große Anzahl medizinischer Notfälle: Akut lebensgefährliche Verletzungen zuerst versorgen. Wenn keine unmittelbare Lebensgefahr mehr besteht, weiter zum nächsten Patienten."
"Gut. Dann sagen Sie mir, wer jetzt akut in Lebensgefahr ist?"
Martinetz seufzte. "Wir."
"Korrekt." Klanic fuhr an Martinetz vorbei zum Aufzugsschacht. "Und was macht man mit Verstorbenen in der Triage?"
"Ignorieren. Für die Toten ist Zeit, wenn die Lebenden versorgt wurden." Sie schüttelte den Kopf, atmete tief durch, und sagte: "Ich habe es verstanden. Beten kommt später."
Dann half sie Klanic dabei, die Leiche, die über seinem Schoß hing, in den Schacht zu werfen.

AKTUALISIERUNG

Zeit seit Eindämmungsbruch: 219 Minuten

Status von SCP-023-DE-LK: Nicht eingedämmt

Objekt konnte noch nicht sichergestellt werden.

Protokoll LK23-F-DE ist in Kraft.

Anzahl der aktiv beteiligten Mitarbeiter: 2

Anzahl der potenziell zu beteiligenden Mitarbeiter: 1

Anzahl der einzudämmenden Objekte: 7

Derzeitige Erfolgschance einer Eindämmung: 44,71%

Letzte Notfalloption wurde vorbereitet und kann jederzeit eingeleitet werden.

"Es ist viel zu leise", flüsterte Paul.
Hannes Stein zuckte mit den Schultern. "Nach den Leichen, die wir gesehen haben, werden wohl nicht mehr viele Leute hier unten am Leben sein, und schon gar keinen Lärm machen wollen."
"Ja, aber kein Alarm, keine Schritte in der Ferne … als würde nicht mal versucht werden, die Situation hier zu lösen."
"Vielleicht ist die Situation schon gelöst?", meinte Hannes. "Und die Aufräumarbeiten auf einer anderen Ebene wurden priorisiert?"
"Und Überlebende werden in einem Gang vor der Tür von 'nem Keter liegen gelassen? Eher nicht", erwiderte Paul.
Stein seufzte. Dann fiel er mit einem Schrei vornüber zu Boden.
"Hannes!"
Sein ganzer Rücken krampfte, seine Wirbelsäule fühlte sich an, als ob sie sich zugleich zusammenziehen und ausdehnen würde, und die Haut auf seiner Brust fühlte sich an, als ob sie von den Rippen zerschnitten würde.
Hannes Stein schrie, und Paul stand hilflos daneben, sah mit geweiteten Augen zu, wie sich sein Verlobter hin und her wand, und dann war es vorbei, der Schmerz war weg. Hannes wischte sich die Tränen ab.
"Scheiße … scheiße." Stein schüttelte seinen Kopf und setzte sich auf.
Paul ergriff seine Hand. "Hannes, was ist los?"
"Ich … ich weiß nicht", flüsterte Stein mit erstickter Stimme. "Mein Rücken … es war, als würde meine Wirbelsäule aus meinem Rücken rauswollen."
Paul drückte Hannes' Hand. "Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann, ich weiß nicht, was mit dir los ist, ich weiß nicht, was ich tun soll …"
Tränen flossen über Pauls Gesicht, und zum ersten Mal meinte Hannes, Verzweiflung und Angst im Gesicht seines Verlobten zu erkennen.
"Mach dir keine Sorgen, Paul. Das wird wieder."
"Hannes … du bist ein mieser Lügner." Paul schüttelte den Kopf. "Leg dich auf den Bauch. Ich sehe mir deinen Rücken mal an."
"Negativ", klang eine laute Stimme durch den Gang.
Paul und Hannes richteten sich schnell auf, sahen sich um. "Wer ist da?", fragte Stein schließlich.
"Eindämmungsprotokolle werden angepasst", sagte die Stimme, und diesmal erkannte Stein, dass die Stimme aus einer Gegensprechanlage an der Wand kam.
Er ging zur Gegensprechanlage, drückte auf den Knopf und sagte: "Hier spricht Doktor Hannes Stein. Wer ist da?"
"Knotenpunkt der Informationsstruktur mit Relaxation-Algorithmus, abgekürzt KIRA", erwiderte die Stimme. "Verbliebenes Überwachungsequipment wird überwacht. Eindämmungsbruch im Gang. Notfallprotokolle aktiv. Anweisungen: Doktor Stein in nächstgelegene, unbenutzte Eindämmungszelle bringen. Sicherheitswache Enns wird anschließend in Eindämmungsprozeduren involviert."
"Das kommt gar nicht in Frage", sagte Stein.
"Hannes …"
"Erstens lasse ich mir von einem Computer nichts befehlen -"
"Widerpruch wird -", drang es aus der Gegensprachanlage, doch Hannes sprach weiter.
"- und zweitens lasse ich meinen Verlobten hier nicht alleine, wenn weiß-Gott-was hier rumläuft!" Stein ließ den Knopf der Gegensprechanlage los. "Komm, Paul."
"Hannes", begann Paul mit sanfter Stimme, "diese KIRA hat recht."
"Blödsinn. Komm jetzt."
"Hannes, du bist Forscher. Ich bin entbehrlich." Paul seufzte. "Und ich bin ausgebildet, um -"
"Um deinen Verlobten wegzusperren?", entgegnete Hannes lautstark. "Sicher nicht."
Paul öffnete seinen Mund, um etwas zu erwidern … doch ein lautes Knurren hinter der nächsten Ecke kam ihm zuvor.
"Mutagene Informationsgefahr nähert sich", erklärte KIRAs Stimme durch die Gegensprechanlage. "Toter Winkel defekter Sicherheitskamera. Fliehen Sie in entgegensetzte Richtung. Blickkontakt vermeiden, führt zu Infektion."
Und Paul packte Hannes' Hand und lief los, weg vom Knurren, welches immer lauter wurde.
"KIRA!", rief Paul. "Womit haben wir es zu tun?"
"Gewalttätig, kannibalistisch, enorm infektiös. Blickkontakt ist zugleich mir jeder anderen Art von Kontakt zu vermeiden", drang es abwechselnd aus den Gegensprechanlagen, an denen Paul und Stein vorbeiliefen. "Wird von lauten Geräuschen angelockt. Kommunikation wird beendet, um nicht noch mehr Infizierte anzulocken. Anweisung: Rechts, gerade, rechts, links, gerade, gerade, zweite Tür rechts."
"Was soll das heißen?", fragte Hannes.
"Wegbeschreibung, leise!", erwiderte Paul, während er Hannes an der nächsten Kreuzung nach rechts zog.
Das Knurren wurde lauter, das plumpe Geräusch von nackten Füßen, die schnell über den Boden trampelten, war zu hören.
In Steins Kopf raste es. Laute Schritte. Es ist schnell. Aber es klingt wie mehrere Männer. Oder es bewegt sich auf vier Beinen. Gewichtsverteilung, müsste sich leiser bewegen, außer es ist sehr unbeholfen. Oder sehr schwer. Keine Beute, Jäger. Keine Beute, Jäger. Vielleicht männlich. Paarung oder Flucht?
Nach diesem Gedankengang blieb Stein abrupt stehen. Paarung? Wie komm ich auf-
"Hannes!", zischte Paul, während er Hannes weiterzog. Er lief weiter, noch immer von seinem Gedankengang verwirrt.
Paarung? Wie komme ich auf Paarung? Das war, was Dr. Stein bewusst dachte. Was er nicht bewusst dachte, war jedoch die Frage die am Rande seines Verstandes lauerte. Nicht die Frage, wo dieser Gedanke herkam. Sondern die Frage, warum dieser Gedanke zu einem warmen Gefühl zwischen seinen Beinen führte.
Nun blieb Paul stehen. Eine neue Gangkreuzung, entweder geradeaus oder links.
"Paul?", fragte Hannes.
"Sind wir zweimal gerade gelaufen oder nur einmal?"
Das Knurren wurde lauter.
"Scheiße." Sein Griff um Hannes' Hand verstärkte sich, und er zog ihn geradeaus weiter. "Zweite Tür … hier!"
Die Tür einer Eindämmungszelle. Verschloßen und blutverschmiert.
"Hannes, gib deinen Code ein!"
"Was, wenn es die falsche Tür ist und da drin schon was wohnt?" Hannes begann, über das Blut auf der Tür zu wischen, um vielleicht eine Beschriftung sichtbar zu machen, doch es war klebrig, nicht mehr ganz frisch, ließ sich nur verschmieren, nicht abwischen.
Das Knurren kam näher, die Schrittgeräusche wurden langsamer.
"Nicht hinsehen", sagte Paul. "Nicht hinsehen, und gib jetzt deinen Code ein!"
Hannes zögerte einen Augenblick, doch die Angst obsiegte. Er gab seinen Code in das Tastenfeld neben der Tür ein, die Tür öffnete sich, Paul stieß Hannes hinein, folgte, und zog die Tür hinter sich zu.
"Kein Sichtfenster … ich hoffe aber, dass die Tür stark genug ist, um … was auch immer fernzuhalten."
"Paul …"
"Es klang schwer, aber es hat uns eingeholt. Mutagene Informationsgefahr hat KIRA gesagt … was das wohl aus einem Menschen macht?"
"Paul!", zischte Stein.
Paul wandte seinen Blick von der Tür ab und wandte sich um.
"Fuck."
Die richtige Tür wäre gegenüber gewesen.

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