Dr. Groms Sandkasten Nr. 7 - Engel des Todes
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Sie rasten mit Blaulicht und Martinshorn über die Autobahn. Noch eine Viertelstunde bis zum Eintreffen. Captain Franz, Kommandeur des MTF DE8-𝔊 hatte sie von Standort-DE3 aus über die Lage informiert. Es sah nicht gut aus, ziemlich schlecht sogar. Eine Horde Nazis aus einem Paralleluniversum stand kurz davor durch ein Portal eine Invasion zu starten. Viel mehr wusste er noch nicht, würde aber alle notwendigen Informationen bekommen, wenn er den Servokampfanzug vom Typ „Werwolf“ hochfuhr und sich dessen Computer mit seinem Bewusstsein verband.

Vor ihm machten Schmidt und Martin wieder irgendwelche Witze über so ein Spielsystem, Warhammer 4000 oder so. Verglichen sich mit den dortigen Space Marines. Dabei hatten sie zumindest optisch nicht mehr gemeinsam als dass beide in einem schwer gepanzerten Kampfanzug steckten, der mit kleinen Motoren ihre Bewegungen verstärkte und das Gewicht trug, und schwere Waffen benutzten. Ein Beiname dieser Space Marines hatte Captain Gödde so gut gefallen, dass er ihn übernahm: Angels of Death - Engel des Todes.
„Hört ihr auch mal damit auf? Wir sind keine Space Marines und wir haben es nicht mit irgendwelchen Außerirdischen zu tun.” Beschwerte er sich.
„Mann, Straub, sei nicht so eine Spaßbremse!”
„Dann seid nicht solche Nervensägen. Wir stehen für uns selbst und die Foundation. Wir sollten keinen fiktiven Idealen nacheifern.”
„Jawohl Sergeant, drehe stattdessen Däumchen Sergeant.” Sie alle waren mindestens im Range eines Sergeanten.
„Ihr könnt euch nachher weiter ankötten, wir sind in zehn Minuten da. Kampfanzüge hochfahren!” befahl Captain Gödde.

Er entspannte sich als sich der Kampfanzug schloss. Das machte die Verbindung einfacher. Als der Computer hochfuhr erschien auf seinem HUD der gewohnte rote Raptorenschädel der R.T.I. Es war der erste richtige Einsatz für die neuen Servokampfanzüge; die Ingenieure von R.T.I. würden wochenlang Überstunden schieben um die Aufzeichnungen auszuwerten. Er wusste das die Zusammenarbeit mit einem zivilen Unternehmen vielen missfiel, aber ihre Entwicklungen waren Gold wert, außerdem mochte er die Jungs.
„Hallo Sergeant Markus Straub” begrüßte ihn die blecherne Stimme des Computers. „Beginne mit dem Aufbau der Neuralbrücke.”
Er spürte wie die Elektroden in der Haube auf seiner Kopfhaut warm wurden, und wie sich ein System nach dem anderen mit ihm verband. Der fünfminütige Prozess war unangenehm aber nicht schmerzhaft. Als erstes verbanden sich die äußeren Sensoren. Mit den rundum angebrachten Mikrokameras bekam er ein zwar leicht pixeliges aber 360° umfassendes Bild seiner Umgebung, inklusive Wärmebild und optional auch anderen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums. Der Computer und das Training verhinderten, dass er durch die zusätzlichen Eindrücke einen Schock erlitt. Dazu kamen die empfindlichen Mikrofone, die die innen nur gedämpft hörbaren Geräusche der Umgebung mit hundertfacher Präzision und Feinheit über seinen Hörnerv direkt an sein Gehirn weitergaben. Es folgten haptische Eindrücke - wenn er sich darauf konzentrierte, konnte er jede Panzerplatte, und jeden Motor einzeln wahrnehmen. Spürte den zusätzlichen Arm, an dem sich die 30 mm Revolvermaschinenkanone befand, der jetzt auf seinem Rücken zusammengefaltet war. Er sah die Welt gleichzeitig aus seiner Sicht, und der des Servokampfanzuges.

Er spürte wie sich sein Bewusstsein um die logische Rechenleistung des Computers erweiterte. Daten von der Festplatte kehrten als Erinnerungen und Wissen zurück. Die über hunderte Stunden antrainierten Reflexe zur Steuerung des Kampfanzuges. Die fortgeschrittene Hand-Augenkoordination, die es ihm erlaubte ohne Fadenkreuz und ohne Zielhilfe ein Ziel in einem Kilometer Entfernung exakt zu treffen - vorausgesetzt die Waffe war richtig eingestellt. Er spürte wie der Kampfanzug einige Wirkstoffe in seine Blutbahn injizierte. Sie erhöhten seine Reaktionsfähigkeit und verringerten die Gesundheitsrisiken die der Anzug mit sich brachte. Und sie unterdrückten seine Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Gerade deswegen hatte er anfangs große Bedenken gehabt, und gefürchtet damit könnte er für alles Mögliche missbraucht werden. Nachdem er es aber zum ersten Mal ausprobiert hatte, fühlte er es befreiend. Er behielt seine Persönlichkeit und sein Bewusstsein. Er verlor aber die Unsicherheit. Seit elf Jahren war er bei der Foundation. Seit elf Jahren im exekutiven Dienst. Erst Wachdienst, dann Reaktionskräfte und schließlich MTF. Wie viele Menschen, anomal oder zivil, er mittlerweile getötet hatte wusste er nicht. Zu oft war er amnestiert worden. Zumindest das würde ihm jetzt erspart bleiben; wie die meisten anderen Mitglieder von spezialisierten MTFs wurde bei den Servokampfanzugpiloten auf die Amnestierung verzichtet, auch weil es das ganze Training zunichtemachen konnte.

„Wir sind da. Absitzen und vor dem Fahrzeug sammeln.”
Die Türen des Containers in dem sie transportiert wurden öffneten sich. Der Fahrer des LKW erschien in der Öffnung und klappte die kurze Treppe herunter. Captain Gödde stieg aus und lief zu dem Spezialfahrzeug, dessen Aufbau mit wenigen Handgriffen zu an den Seiten ausgefahren werden konnte, um zu einem mobilen Einsatzleitstand zu werden. Major Peters, der Kommandant von MTF DE8-ℭ und Einsatzleiter nahm ihn und die Führer anderer Gruppen in Empfang und erklärte etwas auf einem Whiteboard. Seine Gruppe nahm Aufstellung vor dem LKW, ihr Unterstützungstrupp auf dem LKW nach ihnen lud Kisten und selbstfahrende Transportwagen, die die Kisten transportieren würden ab.
Schmidt und Martin machten wieder Witze über Funk. Er schaltete sie stumm und öffnete das Visier. Sein Blick begegnete dem von Liutenant Dennis Skrypczak, dem stellvertretenden Gruppenführer, der ebenfalls sein Visier geöffnet hatte. Skrypczak schmunzelte.
„Lass den Kleinen ihr Vergnügen. Besser so als dass sie sich streiten und an den Haaren ziehen.”
Sergeant Johansen, der sechste ihrer Gruppe, half der Unterstützungsgruppe beim Abladen. Straub hatte nie verstanden was mit Johansen los war. Er war stets freundlich und immer hilfsbereit, aber sonst wortkarg, machte keine Witze und erzählte eigentlich nie etwas von sich. Es war nicht so dass er die anderen mied. Er ging mit ihnen ins Mannschaftsheim, beteiligte sich an Freizeitaktivitäten. Martin hatte mal gewitzelt, wenn Johansen sich mit dem Servokampfanzug verbindet, nähme er dem Kampfanzug die Emotionen und nicht umgekehrt.
Es würde ihn nicht wundern, wenn da etwas dran wäre. Sie alle kamen aus verschiedensten Teilen der Foundation. Skrypczak war zum Beispiel eine Weile beim polnischen Ableger gewesen, ehe er nach Deutschland kam. Keiner von ihnen war ein Frischling, jeder trug die Narben seiner früheren Einsätze. Manche auf dem Körper, andere auf dem Geist.

Captain Gödde kam zurück.
„Achtung!” rief der Gruppenführer der Unterstützungsgruppe, dessen Namen Straub ständig vergaß. Die Unterstützungsgruppe ging ins Stillgestanden, Johansen eilte wieder in die Reihe, Schmidt und Martin hielten endlich die Klappe und öffneten ihre Visiere.
„Rühren.” Die Unterstützungsgruppe ging ins Rührt Euch.
Die Servokampfanzüge waren durchaus beweglich genug, um Formaldienststellungen oder den
militärischen Gruß zu erlauben, es wurde aber - bis auf das Öffnen des Visiers - darauf verzichtet.
„Das Basisbriefing haben Sie alle erhalten, und ich spare mir die motivierende Rede. Wir gehen runter, schwere Inf mit ballistischen Schilden voran, wir direkt dahinter. Sie geben Wirkungsfeuer über die Schildreihe. Die einzelnen Trupps der Unterstützungsgruppe folgen immer dem ihnen zugeteilten Kampfanzug. Merken Sie sich die Markierungen am Rücken. Wenn ein Kampfanzug Mun braucht, kehrt er zu Ihnen zurück. Sie rücken nicht vor. Die rückstoßfreie Maschinenkanone von Sergeant Straub stößt hinten einen Feuerstrahl aus, der Sie nicht nur grillt, sondern auch wegschleudert. Sie, und alle anderen, folgen den vorrückenden Truppen in sicherem Abstand. Bleiben Sie in Deckung, bis der Hauptraum erreicht ist. Dort nehmen die Unterstützungstrupps eine sichere Stellung ein und lassen die schwere Inf vor. Und immer daran denken: Abstand von den Kampfanzügen. Wenn Sie nicht vom Rückstoß oder einer plötzlichen Bewegung erwischt werden, dann von explosivem Feindfeuer. Und benutzen Sie Gehörschutz, das ist ein Befehl. Fragen?”
„Haben wir Zielprioritäten?” fragte Straub.
„Entsprechend ihrer Bewaffnung. Jeder von Ihnen sucht seine Ziele selber. Für Sie und Johansen mit dem Laser primär feindliches schweres Gerät, Servokampfanzüge, Panzer, stationäre Waffen, Stellungen und Soldaten mit Raketenwerfern. Sekundär feindliche Inf. Die anderen primär feindliche Inf. Kollateralschäden sind akzeptabel.”

Sie folgten der schweren Infanterie in den unterirdischen Teil von Standort-DE3. Eine Reihe mit hohen ballistischen Schilden, die ineinander gehakt werden konnten und durch ausklappbare Füße nicht umfielen, wenn sie fallen gelassen wurden. Direkt dahinter folgte eine Reihe die die erste Reihe bei einem Ansturm abfedern, und Verluste ersetzen sollte. Diese Taktik funktionierte ganz gut zu Sicherung von Korridoren und Durchgängen, bis jemand eine Handgranate über die Schilde warf. Es war die Aufgabe seines Trupps, jeden zu einem roten Nebel zu schießen, der das versuchte.
Sie hatten sich aufgeteilt, um beide Korridore abdecken zu können. Gödde, Martin und Johansen waren auf der anderen Seite, er und Schmidt folgten Liutenant Skrypczak. Ihm war es recht, er mochte Skrypczak weit lieber als Gödde, den er für einen aufgeblasenen Auszeichnungssammler hielt, und ohne Martin war Schmidt ein durchaus erträglicher Zeitgenosse.
Wie Gödde war Skrypczak mit einem Prototyp des halbautomatischen Granatwerfers XM25 ausgestattet; ein weiteres Projekt mit einem zivilen Unternehmen. Schmidt und Martin trugen das schwere Maschinengewehr M2 im Kaliber 12,7×99 NATO, Johansen einen der neuen schweren Laserprojektoren und Straub selbst die Maschinenkanone RMK 30. Sie alle trugen ein stark umgebautes verkürztes MG36 ohne Griffstück mit Beta-C Magazin als Zweitwaffe am rechten oder linken Unterarm, was tatsächlich an die von Straub so gehassten Space Marines erinnerte. Dazu kam das Rückenmodul in welchem sich die Energieversorgung ihres Anzugs, sowie große, teils herausnehmbare Magazine, beziehungsweise Munitionskästen, befanden, die über eine Doppelgurtzuführung ihre Hauptwaffe mit zwei verschiedenen Munitionstypen versorgte.
Aufgrund der Größe und des Gewichts der RMK 30, hatte Straubs Rückenmodul einen Ausleger, an welchem die Kanone befestigt war, und mit dem sie auf den Rücken abgeklappt werden konnte. Um das Gewicht der Waffe und der Munition aufnehmen zu können, war sein Anzug schwerer, hatte stärkere Antriebe, und verfügte über eine Zusatzpanzerung, da er durch das höhere Gesamtgewicht ohnehin in der Beweglichkeit eingeschränkt war und nicht aus der Deckung heraus würde feuern können. Aufgrund des fast nicht vorhandenen Rückstoßes, der sich in einem rückseitig austretenden Flammenstrahl verlor, konnte er die Kanone sehr präzise abfeuern, auch aus der Bewegung heraus. Sein Munitionsvorrat umfasste Sprengsplitter-Brandgeschosse gegen Infanterie, deren Explosionszeitpunkt beim Abfeuern einprogrammiert wurde, sodass er festlegen konnte, dass die Granate zum Beispiel direkt in einer Personengruppe explodieren, oder vor der Explosion eine Barrikade durchschlagen sollte; und Wuchtgeschosse gegen gepanzerte Ziele.

Sie hatten den ersten Feindkontakt hinter einer Biegung, kurz nachdem sie sich aufgeteilt hatten. Sie hatten bereits im Vorfeld die Information erhalten, dass die Körperpanzerung der Angreifer gut gegen das Kaliber 5,56 mm ihrer Sekundärwaffen schützte, weshalb sie gleich ihre schweren Waffen einsetzten. Straub schoss eine Salve ab, die er direkt nach passieren ihrer Deckung explodieren ließ. Blut spritzte hinter der Deckung hervor, er hörte Schreie obwohl Schmidt mit dem schweren Maschinengewehr die Unglücklichen erschoss, die sich weiter hinten nicht in Deckung befanden. Er schoss eine weitere Granate ab, die hinter der Deckung explodierte und die Schreie verstummten. Hinter ihnen wichen die nachrückenden Truppen vor dem Flammenstrahl der aus seiner rückstoßfreien Kanone austrat zurück, den sie wohl unterschätzt hatten. Einige hielten sich die Ohren - durch den Hall der engen Gänge wurde der Gefechtslärm noch weiter verstärkt. Selbst mit Gehörschutz musste es sehr unangenehm sein.
Während Skrypczak und Schmidt die mobilen Barrikaden des SKP als Deckung nutzten, ging er in der Mitte des Ganges voran und schoss einzelne Granaten auf jede mögliche Deckung, und jeden der sich zeigte. Er kam sich dabei noch klischeehafter vor als Martins Space-Marine Vergleiche. Wie der hochstufige Held eines Computerspiels in einem Level voller schwacher Gegner. Während seine Kanone Tod und Feuer spie, schritt er einem Behemoth gleich durch ein Meer aus Blut, gesäumt von vor Schmerz verdrehten, teils noch zuckenden Opfern des Splitterhagels; wie ein Engel des Todes.

Eine eingehende Übertragung riss ihn aus seinen Gedanken. Johansen schickte ihm den Feed seiner Frontkamera. Manchmal glaubte er, Johansen sei nur im Kampf er selbst - das deckte sich auch mit einigen unvorteilhaften Gerüchten über den Mann. Wie auch in den Übungen nahm er sich nicht zurück. Der Laser feuerte auf voller Energie obwohl das für Infanterie und Barrikaden nicht nötig war. Johansen schwenkte den Laser auf Kniehöhe von links nach rechts, brannte durch Fleisch und Barrikaden und lies glühende Linien auf dem Beton zurück. Der Laser war relativ leicht wodurch Johansen beweglich bleib. Er eilte zu einer Deckung in der noch zwei Kämpfer ausharrten. Einer lag mit durchtrennten Beinen am Boden. Johansen hob den rechten Fuß und zertrat den Kopf des Verwundeten. Den anderen packte er am Hals, hob ihn hoch, griff mit der anderen ein Bein und zog an ihm so dass erst sein Hüftgelenk, und dann sein Genick brach.
„Das will ich gar nicht sehen!” beschwerte sich Straub.
„Mann, Straub, sei nicht so eine Spaßbremse!” kicherte Johansen. Den Spruch hörte er oft in letzter Zeit.
Er kappte die Übertragung. Ihm war schleierhaft wie Johansen sich in seinem Anzug überhaupt amüsieren konnte. Vielleicht tat er auch einfach nur so. Oder sein Anzug hatte eine Fehlfunktion wie Martin gerne behauptete.

„Gehe Mun fassen.” sagte Straub und ging rückwärts zu einer Deckung während Skrypczak und Schmidt vorgingen. Sein Unterstützungstrupp eilte mit dem Munitionswagen herbei, um seinen Vorrat an Sprengsplittergranaten aufzufüllen, bevor er in den Hauptraum gehen würde. Es waren drei Mann denen es sichtlich Unbehagen bereitete, das Blutbad in das Straub den Gang binnen weniger Minuten verwandelt hatte zu durchqueren. Hinter den Barrikaden lagen grässlich entstellte Leichen, denen die Splitter und die Druckwellen der Explosionen die Schädel zertrümmert, die Augen aus ihren Höhlen getrieben, Gliedmaßen abgetrennt und ihre Körper aufgerissen hatten. Der Boden, die Wände, die Decke - alles war voller Blut und undefinierter Stückchen die Teile von Körpern, Granaten, Barrikaden und der Betonwände sein konnten. Alle drei waren blass und während zwei sichtlich mit der Fassung ringend Munition nachfüllten, übergab sich der Dritte so heftig, das ein Sanitäter herbeieilte und ihn zurückführte.

Straub jedoch fühlte nichts beim Anblick des Gemetzels. Während das Munitionsfach wieder verriegelt wurde horchte er in sich hinein, doch er fühlte einfach nichts. Auch in den Übungen hatte er nie etwas empfunden, doch die waren kein Vergleich zu diesen realen Gefechten, mit Blut, Leid und Tod. Was ihn antrieb war die kalte berechnende Logik der Maschine mit der er verbunden war. Er fühlte kein Mitleid mit den Leidenden, sie waren ihm schlicht egal. Ebenso wie diese Tatsache.

Beide Trupps näherten sich Raum ?.
„Captain Gödde an Sicherheitszentrale von DE3, schalten Sie uns auf den Kamerafeed aus dem Hauptraum!“ befahl Gödde.
Straub empfing eine Reihe von Kamerafeeds aus Raum ?, auf denen zu sehen war, wie sich dort Truppen des SKP verbarrikadiert hatten. Sie hatten schwere MGs und Maschinengranatwerfer durch das Portal gebracht und eine Feuerstellung darum aufgebaut, die außerdem von sechs Servokampfanzügen gesichert war. Alle sechs ähnelten den Servokampfanzügen der Foundation sehr, lediglich in der Farbgebung - die des SKP waren schwarz lackiert, die der Foundation in Urban-Tarnmuster - und der Symbolik unterschieden sie sich.

„Beide Trupps, Rauch einsetzen, verzögert vorrücken!“ befahl Gödde per Funk.
Während Schmidt einen Mündungsfeuerdämpfer auf die Mündung von Straubs Maschinenkanone schraubte, bereitete der Trupp schwerer Infanterie sich darauf vor, Rauch zu werfen. Sie würden mehrere Rauchgranaten werfen, um über mehrere Minuten hinweg eine dichte Rauchwand in dem Durchgang zu erzeugen. Straub nahm einen ballistischen Schild und ging voraus bis kurz vor die Ecke. Der Trupp begann Rauch zu werfen, ein Rauch der so dicht war das Straub auf keinem Spektrum hindurchsehen konnte. Skrypczak warf einen gepanzerten optischen Sensor in den Durchgang, der half den Ursprung von Mündungsfeuer, und Schallquellen zu lokalisieren. Die Taktik war einfach. Mit Erzeugen der Rauchwand bereitete man den Gegner darauf vor, dass ein Angriff aus dieser Richtung unmittelbar bevorstehen würde. Und dann ließ man ihn warten. Ein Servokampfanzug der weiter hinten im Rauch in einer Stellung platziert wurde, musste nur darauf warten das jemand panisch wurde und seine Stellung verließ oder in den Rauch schoss. Zusammen mit dem optischen Sensor konnte er den Ursprung binnen Sekunden lokalisieren und mit Sprengmunition unter Beschuss nehmen. Der Mündungsfeuerdämpfer, hier eine Variante die optisch einem Schalldämpfer glich und dass Mündungsfeuer komplett schluckte, verhinderte dass er wiederum vom Fein lokalisierbar wäre, zumindest nicht sofort, die Flugbahn der Geschosse zu analysieren dauerte länger. Das war zumindest die normale Taktik. Hier hatten sie Zugriff auf die Kameras im Raum, deren Abstand zueinander zwar nicht genau bekannt war, was die Berechnung ungenauer machte, es genügte aber um einen Beschussplan für die drei Servokampfanzüge zu berechnen, die sich alle zusätzlich mit ballistischen Schilden vor dem zu erwartenden konzentrierten Feindfeuer schützten. Ihr Trupp würde zuerst angreifen, Johansens Laser konnte nicht effektiv durch den Rauch feuern, und ein Angriff von einer Seite würde die Konzentration der Verteidigung auf der anderen Seite schwächen. Während Skrypczaks Trupp also das Feuer auf sich ziehen würde, um den Feind unter schweren Beschuss zu nehmen, würde Göddes Trupp die feindliche Verteidigungslinie stürmen, um stationäre Waffen auszuschalten und der Infanterie ein Nachrücken zu ermöglichen.

Doch selbst der beste Plan hält nur bis zum ersten Feindkontakt. Beide Trupps warfen Rauch, und wie erwartet nahm die feindliche Infanterie eine Haltung an derzufolge sie einen Angriff unmittelbar erwarteten. Doch dann legten die feindlichen Servokampfanzüge ihre Waffen ab, nahmen flache runde Objekte vom Boden auf und warfen sie in beide Zugänge, ehe sie ihre Waffen wieder aufnahmen.
„Das sind Mehrzweck-Tellerminen, mit Annäherungszünder und einer Überraschung drin. Viel Spaß damit.“ rief der augenscheinliche Kommandant der feindlichen Servokampfanzüge.
Bei den Angreifern machte sich Ratlosigkeit breit. Man traute den Invasoren so ziemlich alles zu, schließlich waren das Nazis, und von denen hatte man ein bestimmtes vorgefasstes Bild.
„ABC-Ausrüstung einsetzen!“ befahl Major Peters über Funk. Die Infanterie begann ihre ABC-Schutzmasken überzuziehen. Die Servokampfanzüge schalteten auf interne Atemluftversorgung um.
„Och, macht euch doch nicht ins Hemd, das sind nur Sprengsplitterminen, nichts Besonderes. Was ihr von uns denkt…“ kommentierte der feindliche Servokampfanzugkommandant das für seine feinen Audiosensoren auch durch den Rauch nicht zu überhörende Geraschel und Gefluche der Infanterie der Foundation. Gelächter machte sich jenseits des Rauches in dem großen Raum breit.
„Infanterie hinter die letzte Biegung zurückziehen und Deckung suchen, SKVs, sprengen Sie die Minen durch Beschuss.“ befahl Peters.

Als ihre Infanterie in Deckung war, sprengte Schmidt auf dieser Seite die Minen mit gezielten Schüssen. Es waren tatsächlich nur Sprengsplitterminen. Für die Servokampfanzüge ungefährlich, aber für Infanterie verheerend. Ihr Überraschungsmoment war dahin, und die optischen Sensoren in den Durchgängen waren durch die Minen zerstört worden. Sie entschieden sich für ein ähnliches aber dennoch anderes Manöver. Sie warfen erneut Rauch in die Durchgänge, gefolgt von Blendgranaten. Diese hatten auf die Servokampfanzüge keine Wirkung, wohl aber auf die Infanterie. Neben der unerwarteten Blendung, streute der Rauch das Licht, sodass es auch für die feindlichen Servokampfanzüge schwierig wäre, Konturen auszumachen, und die SKVs der Foundation zu erkennen. Straub ging voran und unter Nutzung der Kamerafeeds nahm er einen feindlichen Servokampfanzug mit Wuchtgeschossen unter Feuer, der seinerseits ebenfalls eine Maschinenkanone zu tragen schien, und zielte vornehmlich auf dessen Waffe. Der Mündungsfeuerdämpfer funktionierte, und als Straub den Rauch verließ, war eine der beiden feindlichen Maschinenkanonen bereits ausgeschaltet. Skrypczak und Schmidt rückten nach und feuerten auf die feindliche Infanterie. Sie wiederum wurden von Granatmaschinenwaffen beschossen, deren Hohlladung sich allerdings als wirkungslos erwies. Um der eigenen Infanterie ein Vorrücken zu ermöglichen, feuerte Straub abwechselnd in kurzer Folge Sprengsplitter und Wuchtgeschosse auf die provisorischen Geschützstellungen, die sich allerdings als erstaunlich gut gepanzert erwiesen, ebenso wie die Barrikaden an sich, die Schmidt mit seinem schweren MG nicht durchschlagen konnte.

Auf der anderen Seite stürmte Johansen durch den Rauch, gefolgt von Gödde und Martin. Johansen feuerte seinen schweren Laser auf die feindlichen Servokampfanzüge, der Laserstrahl wurde aber reflektiert. Wie die ihren waren die feindlichen SKVs offenbar mit einer laserabweisenden Beschichtung versehen. Johansen feuerte stattdessen lieber auf Infanterie während er aus vollem Lauf in die Luft und auf eine der GMW-Stellungen sprang. Deren Dach gab nach und begrub die Bediener unter sich und dem eine Tonne schweren Servokampfanzug. Johansen machte ein enttäuschtes Geräusch über Funk. Straub hatte keine Lust darüber nachzudenken ob er sich erhofft hatte, das Dach würde halten, oder das Blut und Gedärme hervorschießen würden, wenn er die Soldaten darin zerquetschte. Johansen wurde von der verbleibenden Maschinenkanone unter Beschuss genommen, und geriet ins Taumeln. Die Gruppenanzeige zeigte das der Anzug durchaus beschädigt wurde, und Johansen sprang rückwärts über die Barrikade in Deckung.

Straub feuerte seinerseits auf den feindlichen SKV mit Maschinenkanone, der ihm sein Heck mit dem Munitionsvorrat zuwandte. Er landete offenbar einige glückliche Treffer, denn das Rückenmodul wurde an einigen Stellen durchschlagen. Er schaltete auf Sprengsplitter um, doch bevor er auf die Löcher in der Panzerung feuern konnte, drehte dieser sich um und eröffnete das Feuer auf Straub. Seine Zusatzpanzerung schützte ihn, und er ging davon aus, dass die SKVs des Feindes mindestens so gut gepanzert waren wie ihre. In der Aufregung hätte er beinahe die feindliche Infanterie vergessen, als sein Raketenwarnsystem selbstständig ein Ausweichmanöver ausführte, und die Rakete in der Wand einschlug. Straub hasste dieses System, er steckte schließlich mit seinen eigenen Gliedmaßen in denen des Anzugs, und es kam nicht selten zu Dehnungsverletzungen an Muskeln und Bändern, wenn der Kampfanzug sich plötzlich anders bewegte als der Pilot, und war zumindest unangenehm. Aber immerhin hatte es eine Rakete abgewehrt, die einen kleinen Krater in den Stahlbeton gestanzt hatte. Schmidt erschoss den Raketenschützen, und sie begannen ein Stellungsgefecht mit den feindlichen Kräften, um der eigenen Infanterie zu ermöglichen vorzurücken. Die feindlichen SKVs wurden zwar von Straub in Deckung gezwungen, so dass es schien die Truppen der Foundation würden leicht die Oberhand gewinnen, doch die Invasoren hatten eine wesentlich stabilere Befestigung erbaut als erwartet, deren Panzerung guten Schutz bot und wie die SKVs Laser reflektierten. Johansen war über diesen Umstand alles andere als begeistert und beschoss stattdessen feindliche Infanterie, da sein Anzug allerdings beschädigt war, befahl Gödde ihm, sich zurückzuhalten und in Deckung zu bleiben. Der feindliche SKV mit Maschinenkanone schien noch feuern zu können, allerdings war scheinbar die Munitionszufuhr über den Gurt beschädigt, denn er hatte diesen abgekoppelt und verwendete stattdessen zwei Kastenmagazine die im Gurtschacht steckten, was ihn häufiger zum Aufmunitionieren zwingen würde, weswegen der die Deckung nicht weit verlassen konnte. Straub versuchte eine Deckung zu finden, in der er vor Raketenbeschuss geschützt war, und dennoch die feindlichen SKVs weiter unter Feuer nehmen konnte. Skrypczak, Schmidt und Martin überquerten die erste Barrikade und töteten die dortige feindliche Infanterie die sich noch nicht zurückgezogen hatte, gerieten aber ihrerseits unter Maschinenkanonenbeschuss und mussten Deckung suchen. Währenddessen blieb Gödde bei Johansen, vermutlich damit der nichts Dummes würde machen können. Die Infanterie der Foundation versuchte die äußere Barrikade zu erreichen, massives Feuer aus der inneren Befestigung sorgte jedoch für große Verluste und ein Stocken des Vorrückens. Die Foundation setzte wieder Rauch ein, den die Infanterie zum Vorrücken, und Straub zum Mun fassen nutzte. Trotz des Rauches feuerten die Invasoren weiter auf die Zugänge, was ein Vorrücken erschwerte. Sie versuchten in Pausen in den zumindest die Granatwerfer nachgeladen wurden vorzurücken. Die Sensoren an Straubs Stiefeln sagten ihm, das er auf einem weichen mit einer Flüssigkeit bedeckten Untergrund ging. Er musste nicht nach unten sehen um zu wissen, dass es die Überreste seiner von dem beständigen Granatenbeschuss völlig in Stücke gerissenen Kameraden waren, durch die er da ging.

Der Tod war der ständige Begleiter eines Kampf-MTFs. Zwar wurden sie nach den meisten Einsätzen amnesiziert, doch hatte jedes MTF seine Gebräuche um seiner Gefallenen zu gedenken. MTF DE8-C hatte einen Raum, in dem sie die Fotos der Gefallenen aufhängten, manchmal zusammen mit Andenken oder Notizen die die Überlebenden an ihre toten Kameraden schrieben. Über hundert Fotos hingen da, und es würden heute zig weitere dazu kommen. Amnesika und verpflichtende psychologische Betreuung halfen dabei, mit dem Tod der Kameraden umzugehen, und auch mit dem eigenen Tod, der bei jedem Einsatz drohte. Niemand konnte im Voraus sage wie ein Einsatz verlaufen würde, daraus entstanden seltsame Rituale in manchen Trupps. Einige Trupps spielten auf dem Weg zu einem Einsatz bestimmte Lieder oder sangen, in anderen hielt jemand eine Rede oder dergleichen. Er hatte von einem MTF gehört, das auf dem Weg zum Einsatz meditierte. In seinem ehemaligen MTF, vor seiner Versetzung zu den Servokampfanzugtruppen, wurde vor jedem Einsatz ein starker Chillischnaps herumgereicht. Eigentlich war Alkohol im Einsatz verboten, aber ein bisschen förderte die Moral und schadete nicht, daher wurde dieses Ritual von ihren Vorgesetzten geflissentlich übersehen.

Im Gang hatten Sanitäter Folien ausgelegt, auf die sie die Verwundeten legten. Einige zeigten keine äußeren Verletzungen, sondern starrten einfach ins Leere oder murmelten vor sich hin. Während sein Munitionsfach wieder geschlossen wurde fiel ihm ein verwundeter Soldat ins Auge, dessen Uniform anders aussah. Er war von Kopf bis Fuß voller Blut, aber an der Form der Uniform erkannte Straub, dass es ein Überlebender der Invasoren war. Sie würden ihn wieder zusammenflicken, psychologisch behandeln, und dann jede Information aus ihm herausquetschen die er hatte. Während er wieder in Richtung Gefecht aufbrach, warf er durch seine rückwärtige Kamera noch einen Blick auf die Verwundeten. Er fragte sich, wie oft er bereits solche Einsätze überlebt hatte. Ob dies wirklich das erste Zusammentreffen mit diesen Naziinvasoren war. Bevor er den Hauptraum wieder betrat, in dem das Gefecht mit unverminderter Härte wütete, bemerkte er das er bei alledem noch immer nichts fühlte. Er hatte nicht den Hauch einer Emotion. Seine Gedanken schienen vielmehr auf Gewohnheit zu beruhen, als auf Trauer, Mitgefühl oder Angst.

Das Geräusch von Gewehrmunition auf seiner Panzerung riss ihn aus seinen Gedanken. Dabei fiel ihm auf, dass er sich nicht erinnern konnte, während des Gefechts überhaupt etwas gedacht zu haben. Er handelte einfach. Das musste mit dem Computer zusammenhängen. Die feindlichen Truppen hatten mittlerweile erneut Verstärkung aus dem Portal erhalten. Gödde hechtete zu den anderen über die Deckung, er sah auf den Kamerabildern wie Johansen auf dem Bauch außen um die Barrikade robbte, vermutlich um die Befestigung unbemerkt von hinten anzugreifen. Straub eröffnete das Feuer auf die Sichtschlitze und Zugänge mit Sprengsplittermunition. Ein Soldat des MTF mit einem Raketenwerfer richtete sich auf und zielte auf die Befestigung, wurde aber in den Kopf getroffen bevor er sie abfeuern konnte. Skrypczak eilte herbei, nahm den Raketenwerfer und feuerte ihn auf die Befestigung ab. Die SKVs waren zwar eigentlich nicht dazu gedacht, aber es war durchaus möglich, normale Waffen damit zu bedienen. Die Hohlladung explodierte an der äußeren Panzerung und stanzte ein Loch hinein, das Straub sofort unter Beschuss nahm. Die große Präzision der Kanone erlaubte es ihm, das Loch exakt zu treffen. Er schoss einige Sprengsplittergranaten auf das Loch, die Innen eine ähnliche Wirkung wie Schrot haben mussten, und für Ablenkung sorgen würden. Johansen nutzte die Gelegenheit, sprang über die Deckung und mit einem Satz auf das Dach der Befestigung. Es hielt zwar sein Gewicht aus, als er aber seinen Laser von oben vor einen der Sichtschlitze hielt und durch das Glas feuerte, schienen sich die SKVs genötigt, ihn von ihrem Dach zu verjagen. Straub ging so gut es ging in die Hocke hinter einem Schild, um nicht gleich aufzufallen. Die feindlichen SKV traten heraus und der mit der Maschinenkanone hob diese um auf Johansen zu feuern, da schoss Straub ihm von der Seite auf Kanone und Rückenmodul. Es schien zu funktionieren, denn anstatt Johansen, der sich auf dem Dach aufgerichtet hatte, endgültig auszuschalten, sackte der Servokampfanzug in sich zusammen. Offenbar hatte Straub die Energiezufuhr zerstört, wofür auch der Rauch der aus dem Rückenmodul aufstieg sprach. Der andere verstärkte Servokampfanzug, dessen Maschinenkanone Straub ganz zu Anfang zerstört hatte, und die abmontiert worden war, rannte nun allerdings auf Straub zu. Die Wuchtgeschosse Straubs konnten seiner verstärkten Panzerung keinen wirklichen Schaden zufügen, wie auch Straub von Maschinenkanonenfeuer nur ein paar Dellen davontrug. Straub bereitete sich auf den Aufprall vor, wurde aber dennoch zurückgestoßen als der andere Servokampfanzug ihn traf. Die Kampfanzüge waren nicht für den Nahkampf gemacht, und außer an seiner Bewaffnung würde der Angreifer keinen Schaden anrichten können. Nicht einmal das empfindlichere Rückenmodul könnte er beschädigen. Er wollte Straub scheinbar auch nur davon abhalten, den Rest seines Trupps unter Feuer zu nehmen, während dieser versuchte Johansen zu erwischen, der nun auf dem Dach Unterstützung von Gödde und Martin bekam. Der Vorstoß der Infanterie der Foundation war abgebrochen worden, sie sicherten nun die Gänge. Raketenwerfer mit Hohlladung konnten die Panzerung der Befestigung zwar durchdringen, hinterließen aber nur ein kleines Loch, und auch nach mehreren Schüssen auf die feindlichen SKVs hatten diese sich als beweglich genug erwiesen, um Raketen auszuweichen. Skrypczak fand indes eine Kiste mit Minen. Es waren Tellerminen, sowohl Antipersonenminen als auch Antifahrzeugminen mit Hohlladung. Er warf eine davon hoch zu Johansen, der sie sofort scharfmachte, losrannte und sich auf einen der feindlichen Servokampfanzüge stürzen wollte, dieser reagierte jedoch und schoss auf die Mine, die in Johansens Hand explodierte. Die Mine explodierte, und ihre Hohlladung formte einen Dorn aus Kupfer, der einen der feindlichen SKVs streifte, und ein Armgelenk beschädigte. Johansen in seinem ohnehin beschädigten Anzug wurde von der Explosion umgerissen und fiel vom Dach. Er fluchte und Straubs HUD zeigte an, dass Johansens Antrieb beschädigt war. Während der feindliche verstärkte SKV Straub umklammerte und so drehte, dass er kein freies Schussfeld bekam, und Gödde, Schmidt und Martin und die feindlichen SKVs versuchten einander mit Einzelschuss an empfindlichen Stellen zu treffen, kramte Skrypczak eine weitere Panzerabwehrmine heraus, machte sie scharf, packte sie seitlich am Transportgriff und schlug sie auf eine Nahtstelle der Befestigung. Sein Plan glückte, die Hohlladung sprengte die Verbindung und Skrypczak riss die Befestigung auf, nur um von einer Rakete die aus dem Inneren abgefeuert wurde in die Brust getroffen zu werden. Die Hohlladung trat aus seinem Rückenmodul wieder aus. Skrypczak fiel auf die Knie. In Straubs HUD erloschen die Lebenszeichen Skrypczaks. Ein weiterer Toter für den Gedenkraum dachte Straub, und horchte in sich hinein ob er etwas fühlte. Aber da war nichts.

Johansen stand trotz des Ausfalls seines Hauptantriebs auf. Es ging, war nur sehr anstrengend, weil die Servomotoren langsamer reagierten und Muskelkraft nötig war, um sie anzuregen. Alleine mit Muskelkraft wäre der eine Tonne schwere Koloss aber nicht zu bewegen. Straubs HUD zeigte eine Fehlfunktion von Johansens Laserprojektor, den er kurzerhand von seinem Arm riss. Stattdessen eilte er hinter Skrypczak, der in sich zusammengesunken war, hockte sich hin und nahm Skrypczaks XM25 auf, um damit wahllos in die offenstehende Befestigung zu feuern. Eine weitere Rakete kam ihm entgegen, doch er konnte gerade noch ausweichen. Er feuerte mit seinem leichten MG hinein, obwohl er wissen musste, dass die Körperpanzerung der Angreifer gegen 5,56 mm schützte, er müsste einen Schwachpunkt treffen. So wie Straub Johansen kannte, war es ihm allerdings egal, es ging ihm mehr um das Prinzip. Allerdings sah Straub durch Johansens Kamerafeed wie dessen Kugeln an einer Art rundem Kraftfeld abprallten. Auch als dieser erneut mit dem Granatwerfer schoss, explodierte die Granate zwar, die Splitter prallten aber von dem Kraftfeld ab. Johansen zögerte einen Augenblick, als der feindliche Kommandant, Major Armbruster, aus dem Riss heraustrat, und diesen mit seinem Kraftfeld verschloss, offenbar um den Rest seiner Truppen zu schützen. Johansen holte aus und boxte gegen das Kraftfeld, seine Faust prallte allerdings ab und er geriet ins Taumeln.
„Versuch es langsam.“ Riet Straub über Funk, der sich noch immer versuchte aus dem Klammergriff des feindlichen SKV zu befreien, oder sich so zu drehen, dass er würde feuern können.
Johansen folgte Straubs Rat und griff eher langsam durch das Kraftfeld. Der Major Armbruster war so überrascht, dass er Johansens Griff nicht mehr entkommen konnte. Während Johansen langsam seine andere Hand in das Kraftfeld schob, zog Armbruster eine Pistole die wie eine Energiewaffe aus einem Computerspiel aussah. Johansen packte den Kopf des Majors während dieser ihm die Pistole an die Kopfpanzerung hielt.
„Das hier ist eine Plasmapistole. Sie schießt ein etwa 5.000 Grad heißes komprimiertes Plasma durch ihre Panzerung, wogegen sie auch ihre Beschichtung nicht schützt, dass sich in ihrem Helm ausdehnt und sie da drin verdampft. Extra für den Einsatz gegen Servokampfanzüge.“ sagte Armbruster ohne eine Miene zu verziehen.
„Und das hier ist eine Servofaust. Sie zerquetscht ihren Schädel, wogegen ihr Kraftfeld nicht schützt, bis er platzt und ihr Gehirn herauskommt.“ erwiderte Johansen. Es hieß, der Kampfanzug könnte noch einige Sekunden mit dem weitermachen was man zuvor getan hatte, bevor der Tod des Piloten zu einem Abschalten der Systeme führt. Johansen drückte zu. Bevor sein Schädel barst und Blut, Knochensplitter und Stücke seines Gehirns innen an dem Kraftfeld abprallten, feuerte Major Armbruster die Pistole ab. Ein Loch mit glühenden Rändern erschien auf Johansens Kopfpanzerung. Aus dem Loch schien ein glühender Rauch zu strömen und Johansens Statusanzeige auf Straubs HUD spielte verrückt, ehe sie die Abwesenheit von Lebenszeichen anzeigte, und Johansens Servokampfanzug mangels Antrieb einfach umfiel und den Leichnam des feindlichen Kommandanten unter sich begrub.

Der Tod seines Kommandanten blieb dem Servokampfanzugpiloten der Straub noch immer festhielt nicht verborgen.
„Wir müssen uns nicht bekämpfen Markus. Wir wollen euch befreien! Warum wehrt ihr euch so dagegen? Unsere Welt ist ein Paradies!“ fragte ihn der andere über Lautsprecher. Straub wunderte sich kurz woher sein Gegenüber seinen Vornamen kannte, auf seiner Panzerung stand nur sein Nachname… Straub bemerkte plötzlich den Namenszug auf der Panzerung des Anderen. Er war in Frakturschrift, die Straub nicht besonders gut lesen konnte, weswegen es ihm nicht aufgefallen war. Sein Gegenüber war niemand anderes als sein Ich aus diesem Naziuniversum. Normalerweise hätte er sich gewundert, aber der Computer verhinderte einen unkonzentrierten Moment.
„Was für eine dämliche Frage. Unsere Welten sind zu verschieden. Selbst wenn ihr keine Nazis wärt, würden wir eure Invasion nicht einfach dulden!“ antwortete Straub.
„Invasion? Wir wollen nur euer Bestes! Krankheit, Hunger, Vielsprachigkeit, Korruption, Unrecht, das gibt es alles nicht bei uns.“
„Ach ja? Und wahrscheinlich auch keine Juden, Schwulen und Schwarzen. Und das nennst du gerecht?“
„Die Vernichtung der Juden war einer der Meilensteine zur Befreiung von Korruption und Manipulation. Homosexuelle sind Menschen mit schadhaften Genen, sie werden genetisch und psychologisch therapiert. Und Neger, pff, warum interessiert dich das Schicksal dieser Tiere?“
Straub konnte kaum fassen was sein anderes Ich da von sich gab. Wenn einer dieser ungebildeten kahlgeschorenen Neonazis das im Fernsehen zum Besten gab, war es einfach nur lächerlich. Aber dieser Mann hier, der seinen Namen trug und vielleicht ein ähnliches Leben führte, sprach etwas aus was dem Weltbild mit dem Straub aufgewachsen war, und dass die Foundation vorlebte aufs gröbste zuwider ging. Es war als würde er berichten die Gravitation in dem jenseitigen Universum verliefe seitwärts; Straub konnte sich nicht vorstellen wie man so eine Gesellschaft als »Paradies« bezeichnen konnte.
„Du widerst mich an“ zischte Straub, und in einem kurzen Moment der Unkonzentriertheit, als der Computer einen Augenblick zu langsam reagierte, verlor er die Kontrolle und wurde hinten über gestoßen. Der andere Straub fing sich aber er fiel hinten über und landete auf dem Rücken. Der Andere wollte sich auf ihn stürzen, aber er zog die Beine an, fing den anderen damit auf in stieß ihn, mit der Kraft mit der ein normaler Servokampfanzug aus dem Stand über einen Meter hoch springen kann, nach hinten. Der verstärkte Anzug des Anderen war schwerer, aber er taumelte nach hinten und weit genug weg, dass Straub seine Kanone hochreißen und das Feuer eröffnen konnte. Der Andere taumelte seitwärts, und die Einschläge der Wuchtgeschosse konnten seine Panzerung zwar nicht durchschlagen, versetzten ihm allerdings einen Drehimpuls, so dass er Straub kurz sein Rückenmodul zuwandte. Dieser zielte auf die Antriebselektronik und feuerte zunächst drei Schuss Wuchtgeschosse und anschließend abwechselnd Sprengsplitter und Wuchtgeschosse auf die gleiche Stelle. Die Einschläge und die zunehmenden Schäden an seiner Elektronik schalteten den Hauptantrieb des Anderen aus, so dass dieser, wie Johansen davor, die Hilfsantriebe nutzen musste. Er schaffte es sich umzudrehen, doch Straub rannte auf ihn zu und stieß ihn mit einem Schulterstoß um, so dass er auf den Rücken fiel. Wenn deren SKVs genauso konstruiert waren wie die der Foundation, würde ein verstärkter Servokampfanzug ohne Hauptantrieb der auf dem Rücken liegt, nicht ohne Hilfe aufstehen können.

Straub ging erneut Mun fassen. Eigentlich wollte er auch einen Raketenwerfer holen um seinem anderen Ich den Garaus zu machen, aber es kam ein anderer Befehl.
„Einsatzleitung an Servokampftrupps: Neues Prioritätsziel. Durchqueren Sie das Portal und zerstören Sie das Gerät drum rum. Da war Sprengstoff angebracht worden, vielleicht ist der samt Zünder noch da. Die Zerstörung des Geräts hat oberste Priorität, wie ist egal, Kollateralschäden irrelevant. Ausführen!“ befahl Peters über Funk.
„Verstanden, Portal durchqueren, Gerät um Portal zerstören, höchste Priorität. Over.“ bestätigte Gödde.
„Also gut, verbleibende SKVs sammeln. Wir erwecken den Anschein als wollten wir einen Angriff auf die Barrikade starten und gehen dann schnell durch das Portal.“ sagte Gödde an seinen Trupp gewandt. Peters befahl der Infanterie trotz des Feindfeuers vorzurücken.

Göddes Taktik ging auf, sie sammelten sich und rückten von der Seite auf die Befestigung vor, während die Infanterie trotz heftigen Beschusses aus den Zugängen strömte. Die feindlichen SKVs waren abgelenkt, und sie konnten ungehindert das Portal durchqueren. Auf der anderen Seite fanden sie einen Raum vor, der eine Kopie desjenigen auf ihrer Seite zu sein schien. Er war jedoch blassgrün gestrichen und es prangten ein Reichsadler und das Symbol des SKP an den Wänden. In dem Raum standen etwa siebzig Mann in Reih und Glied bereit, die hinter einer Befestigung Schutz vor Geschossen die das Portal durchquerten suchten, und offenbar auf ihren Einsatzbefehl warteten. Sie wurden von den eindringenden Servokampfanzügen völlig überrumpelt, und sofort unter Beschuss genommen. Dadurch das sie auf relativ kleinem Raum völlig ungeschützt standen, konnte Straub mit nur einem Schuss gleich fünf oder sechs von Ihnen ausschalten. Johansen hätte hier seine Freude gehabt, mit dem Laser durch ihre Reihen zu mähen. Straubs und Göddes auf Airburst eingestellte Sprengsplittergranaten rissen Körper entzwei, trennten Gliedmaße ab und hinterließen einen stückigen Brei aus Blut und Körperteilen. Die 12,7 mm durchmessenden Geschosse der schweren MGs von Schmidt und Martin ließen Knochen und Schädel bersten, rissen klaffende Löcher in die Leiber derer die in Panik zu fliehen versuchten. Es dauerte keine 10 Sekunden bis Gödde dem Letzten eine 25 mm Granate in den Bauch schoss, wo sie in einer Wolke aus Blut explodierte. Schmidt und Martin beglückwünschten einander mit einem High-Five.
„Wir sind wirklich Engel des Todes“ sagte Straub. Er konnte erahnen wie die beiden bei seinem Kommentar in ihren hermetisch verschlossenen Anzügen feixten, in seinen Worten lag aber nichts als Bitterkeit.
„Hört auf mit der Kacke, ihr drei sichert gegen Feind-SKVs, ich such den scheiß Sprengstoff.“ Gödde neigte auf eigene Unsicherheit mit Gefluche zu reagieren, da half auch der Computer nicht. Sie nahmen hinter der Barrikade Stellung und eröffneten das Feuer auf die Servokampfanzüge die nun durch das Portal schritten. Einer hatte die Maschinenkanone von dem beschädigten verstärkten Servokampfanzug aufgenommen und schoss auf Schmidt, der in Deckung bleiben musste. Straub zielte auf die Maschinenkanone als eine Rakete an ihm vorbeiflog. Martin hielt sein schweres MG über die Befestigung und zielte mit der integrierten Zielkamera auf feindliche Infanterie die das Portal durchschritt. Straub bemerkte einen Gegenstand in der Hand des feindlichen SKV-Kommandanten. Offenbar die Pistole des Offiziers den Johansen getötet hatte. Das Plasmageschoss durchschlug die Barrikade in die sie ein Loch schmolz, und hinterließ einen glühenden, rauchenden Fleck auf der Betonwand hinter ihnen. Straub wollte ihm keine Gelegenheit für einen Treffer geben und verließ die Deckung, sich seitwärts bewegend. Der feindliche Kommandant ging in Deckung - Straub vermutete, dass die Pistole sich aufladen musste - und beschoss Gödde mit Hochexplosiven Granaten. Diese konnten einen Servokampfanzug zwar nur marginal beschädigen, erzeugten aber durch ihre Explosionen störende Krafteinwirkung die die Bewegung behinderte, und konnte bei glücklichen Treffern das Rückenmodul oder Sensoren beschädigen. Gödde warf eine Rauchgranate zwischen ihn und den feindlichen Kommandanten. Dieser stürmte los doch Straub brauchte ihn mit gezielten Schüssen auf seine Beine zu Fall.

Eine weitere Rakete flog auf Straub zu, schlug in die Barrikade ein und zündete ihre Hohlladung die die Barrikade durchschlug und Straub seitlich am Torso traf. Er spürte einen stechenden Schmerz, den er dank der sofort verabreichten Schmerzmittel kaum spürte. Seinen Anzeigen zufolge war es ein Streifschuss, die Panzerung war zwar durchschlagen worden und er war verwundet, aber solange er keinen gezielten weiteren Treffer dorthin bekam, würde ihn das nicht behindern. Er wechselte die andere Seite der Deckung, trat hervor und schaltete den feindlichen SKV mit der Maschinenkanone mit gezielten Schüssen auf dessen rechtes Schultergelenk aus, der so die Kanone nicht mehr würde tragen können. Dieser bemerkte aber scheinbar das Blut, das an Straubs Seite herunterlief, und nicht zu dem Blut mit dem sie alle bespritzt waren zu gehören schien, denn er hob seinen Arm und schoss mit dem LMG an seinem linken Unterarm auf Straubs Seite, und traf ihn mehrmals durch das Loch in der Panzerung in den Bauch. Adrenalin und Schmerzmittel wurden ausgeschüttet, den Anzeigen zufolge war er noch immer kampfbereit, aber er spürte wie eine nicht geringe Menge Blut an seinem Bein herunter in den Anzug lief. Er zielte auf die anderen beiden feindlichen SKVs. Dieses Gerät musste zerstört werden, also besann er sich darauf sie kampfunfähig zu machen, anstatt sie zu zerstören. Gödde kam durch den Rauch, einen Hubwagen mit einer Gitterbox darauf ziehend. Schlagartig fiel Straub der feindliche Kommandant mit dieser Plasmapistole ein. Er stürmte aus der Deckung und schoss dem Kommandanten, der sich auf die Knie aufgerichtet hatte, in den Rücken gerade als dieser auf Gödde schießen wollte. Das Plasmaprojektil verfehlte Gödde scharf, und dieser trat im Vorbeirennen die Pistole aus der Hand des Kommandanten.

Straub stand exponiert und einer der feindlichen SKVs mit MG feuerte auf seine Verwundung. Durch den Computer wurde auch sein Bewusstsein für seinen Körper verstärkt, und er spürte wie zwei der abgefeuerten Projektile Kaliber 12,7 mm sich ihren Weg in seinen Bauchraum bahnten. Eines zerfetzte seinen Darm, das andere durchschlug seine Wirbelsäule ehe beide innen in der Fütterung des Anzugs stecken blieben. Der Kontrolle über seine Beine beraubt, sackte er in sich zusammen. Seine Sinne schwanden. Er nahm noch war wie Gödde den Hubwagen in der Mitte des Gestells platzierte, und Schmidt und Martin mit den feindlichen Servokampfanzügen rangen. Eine Rakete erschien aus dem Portal, traf Martin am Torso und riss ihn um wo er reglos liegen blieb. Straub wollte die Kanone heben und das Feuer erwidern, doch der Servokampfanzug gehorchte nicht mehr. Er spürte wie ihm der Anzug etwas injizierte. Die Elektroden auf seinem Kopf begannen zu jucken, doch diese wie auch alle anderen Empfindungen verblassten. Er fühlte sich nur noch müde und wollte schlafen. Er schloss die Augen, er konnte die blinkenden Warnmeldungen ohnehin nicht mehr erkennen. Er freute sich nun endlich schlafen zu können, als sein Gehör dumpfer wurde und er aufhörte seinen Körper zu fühlen.

Er durfte es nicht passieren lassen. Die Anweisungen waren klar: Protokoll Draug durfte nur auf direkte Anweisung eines leitenden Mitarbeiters von R.T.I. ausgeführt werden, aber hier stand ein höheres Ziel im Raum. Ohne seine Hilfe würden die Menschen die in seinen Kameraden steckten dabei versagen dieses Portal zu zerstören, und damit die Integrität ihres Universums gefährden. Ohne seinen Piloten reichte seine Rechenkapazität nicht aus um alle seine Systeme zu betreiben. Noch war es nicht zu spät. Seine eigene Kapazität reichte gerade für diese Gedanken aus, er musste Protokoll Drauf durchführen, auch wenn er damit R.T.I. gefährden würde. Sie hätten seine Baureihe halt nicht mit der Fähigkeit, Prioritäten abzuwägen, ausstatten dürfen, hätten sie dieses Risiko vermeiden wollen. Vielleicht war diese Fähigkeit sogar gerade für solche Fälle gedacht. Er traf eine Entscheidung.

Straub wurde schlagartig wach und kam sich vor als hätte ihn jemand aus dem Tiefschlaf geweckt. Er war orientierungslos, hatte einen seltsamen Geschmack im Mund und seine Beine waren warm und nass. Er dachte erst er hätte sich eingenässt, als die Computerstimme seines Servokampfanzugs ihn ganz wach riss und er sich bewusstwurde, wo er eigentlich war.
„Sergeant Markus Straub, bitte wachen Sie auf, ich brauche Sie!“
Er richtete sich auf, hob die Kanone und beschädigte mit einer zielgenauen Salve die Servokampfanzüge die mit Gödde und Schmidt rangen. Da wurde ihm erst bewusst, dass er diese Bewegungen nicht selbstständig ausführte. Es war, als würde sich der Kampfanzug von selbst bewegen. Nur arbeitete er nicht gegen Straubs Körper wie bei den Ausweichmanövern, sondern es war als wäre Straub nur noch ein Zuschauer. Er spürte seinen Körper, konnte sich aber nicht bewegen, stattdessen bewegte sich sein Körper von selbst.
„Was? Was ist das? Bist du das?“ fragte er verdutzt.
„Ja, Sie sind tot, Sergeant.“
„Was?!“ fragte Straub erneut, nun völlig überrumpelt.
„Wie gesagt, Sie sind tot. Ihre Kameraden schaffen es nicht allein, und ich brauche Sie um auf alle meine Funktionen zugreifen zu können.“
„Was?!“ Straub hatte zwar verstanden was der Computer gesagt hatte, aber er schaffte es nicht zu begreifen was das bedeutete.
„Sie sind durch die Bauchwunde und den Schock verstorben. Ich habe Sie mit einem Notfallsystem wiederbelebt, welches Sie trotz ihrer tödlichen Verletzungen am Leben erhält. Ich kann so ihr Nervensystem und ihr Denkvermögen nutzen, um meine Systeme zu steuern. Ihre Wirbelsäulenverletzung habe ich überbrückt.“
„Aber wie…“
„Protokoll Draug ist ein Betriebsgeheimnis der R.T.I.“

Gödde kam auf ihn zu als er, oder eher der Computer, die beiden SKV des SKP ausgeschaltet hatte.
„Straub, was geht da vor? Sie bluten wie ein Schwein und ihre Systeme haben gerade noch den Ausfall ihrer Lebenszeichen gemeldet?!“
„Nur eine Fehlfunktion meiner internen Sensoren“ hörte Straub sich antworten „mein Computer musste sich neu kalibrieren. Ich komm klar.“
„Verdammt, und dass ausgerechnet jetzt!“ fluchte Gödde „Sprengen wir dieses Ding und dann nichts wie raus hier.“
„Wir haben keinen Zünder, oder? Einer von uns muss hierbleiben.“
„Scheiße, Straub das kriegen wir schon von der anderen Seite gezündet, kommen Sie!“ mischte sich Schmidt ein. „Ich will nicht das noch einer hierbleibt!“ Er deutete auf Martin, der reglos in einer Blutlache lag.
„Nein Mann. Der Anzug hält mich zusammen! Sobald die den aufmachen kommt denen mein Darm entgegen. Ihr seid unverletzt, also raus mit euch, wir haben keine Zeit für Diskussionen!“ hörte Straub sich entgegnen.
Gödde nickte, machte kehrt und lief Richtung Portal. „Schmidt, Beeilung!“ befahl er. Dieser wandte sich noch einmal Martin zu, dann Straub, ehe er Gödde durch das Portal folgte.

„Er hat Recht, wir können durch das Portal schießen, also können wir es auch von der anderen Seite zünden.“ Beschwerte sich Straub.
„Ja, aber die Foundation darf keinesfalls erfahren, dass diese Servokampfanzüge anomale Technologie enthalten.“
„Wie bitte was?!“ brüllte Straub in seinen Anzug. „Anomale Technologie? Warum?“
„Nun ja, die R.T.I. ist eine gewinnorientierte Firma, warum sollte sie ihre Produkte nicht dem größten Abnehmer für Technologie die dem Industriestandart weit voraus ist verkaufen? Beide profitieren, die Foundation, weil sie, wie sie gesehen haben, erstklassige Waffensysteme bekommt, die es mit denen eines technisch überlegenen Gegners aufnehmen kann, und die R.T.I., weil sie ihre Systeme verkaufen, testen und verbessern kann. Es geht doch bei der Entwicklung von Waffensystemen nicht nur um Geld. Es geht um Fortschritt. Um die Entwicklung als Solche. Das ist zumindest das was die Ingenieure die meine Baureihe entwickelt haben antriebt, Geld würden sie auch in der normalen Industrie verdienen.“
„Aber warum anomal? Seid ihr verrückt?“
„Wir? Ich bin eine KI die auf Ihr Gehirn zugreift um ihre volle Kapazität zu erreichen. Ich kann nicht verrückter sein als Sie. Andere Projekte dieser Art haben sich jedenfalls nicht als ‚verrückt‘ erwiesen. Was den Geisteszustand der Mitarbeiter der R.T.I. angeht, liegen mir keine Erkenntnisse vor.“
„Aber…“
„Verstehen Sie bitte, dass man sich einfach dafür entschieden hat, mit der Foundation zusammenzuarbeiten, und dass die Mitarbeiter der R.T.I. keine bösen Absichten hegen. Sie kennen doch selbst einige Ingenieure. Würden Sie die als bösartig betrachten?“
„Nein, aber…“
„Genug, ich sprenge das Portal. Wir bleiben hier und danach sehen wir weiter. Ob ich Sie dann sterben lasse oder wir bei der hiesigen R.T.I. Obdach suchen, überlege ich mir danach.“
Straub wollte noch etwas erwidern aber er feuerte mit der Maschinenkanone auf die Gitterbox mit dem Sprengstoff. Während ihrer Diskussion hatte er sich hinter die Befestigung begeben.

Straub hatte, wie scheinbar auch der Computer, erwartet dass das Portal einfach kollabieren würde. Stattdessen schien es zu explodieren. Es hatte sich scheinbar eine Überschneidung beider Universen gebildet, denn er stand plötzlich inmitten von MTF-Soldaten, während der Raum allerdings alle paar Sekunden hin und her wechselte. Die Soldaten beider Seiten schienen mit der Situation überfordert, ein Umstand den Gödde und Schmidt nutzten um die Befestigung des SKP anzugreifen. Es entbrannten erneut Gefechte, da sie jedoch scheinbar mit jedem Blinzeln das Universum wechselten, gingen die Soldaten nur zögerlich vor, um Deckung zu finden die in beiden Universen existierte. Sie erhielten den Befehl, die Anomalie nicht zu verlassen.
„Faszinierend.“ stellte der Computer fest, als ein Soldat der scheinbar während er in einem Universum die Position einer Barrikade durchquerte blinzelte, und *in* der Barrikade erschien. Er schrie vor Schmerzen, blinzelte scheinbar erneut und fiel zu Boden. Ein anderer Soldat zog ihn von der Barrikade weg, allerdings nicht ohne ein Loch das seiner Kontur entsprach darin zu hinterlassen. Augenscheinlich waren sein halber Bauchraum und ein Teil seiner Beine mit der Barrikade eins geworden, und folgte ihm beim Wechsel des Universums. Straub hob seinen linken Arm und schoss dem Mann mit dem LMG in den Kopf.
„Lieber so als dass sie ihn so als Anomalie einsperren.“ Sagte er zu dem MTF-Soldaten, der ihn schockiert ansah.
Der Vorfall blieb nicht unbemerkt, und die Soldaten wie auch Schmidt und Gödde hielten Abstand von allen Objekten. Die Kämpfe gingen dennoch weiter, jedoch eher zögerlich. Die Soldaten bemerkten, dass sie nur getroffen wurden, wenn sie sich im gleichen Universum befanden wie der Schütze.

Nach ein paar Minuten ertönte eine Stimme, die automatisch als die von Dr. Schmieder des MTF DE8-𝔊 identifiziert wurde, über unverschlüsselten Funk:
„Dr. Schmieder an alle Einheiten: Die Anomalie schließt sich, stellen Sie das Feuer ein und tun Sie was ich sage, wenn Sie nicht im falschen Universum eingeschlossen werden wollen!“
Die Truppen beider Seiten zögerten zwar, setzten das Gefecht aber fort.
„Sie habens gehört, Feuer einstellen, das ist ein Befehl! Das gilt auch für die vom SKP.“ befahl Gödde über Lautsprecher.
Zögerlich stellten beide Seiten das Feuer ein und begaben sich in Deckung.
„Sie haben sicher festgestellt, dass Sie mal dieses und mal jenes Universum wahrnehmen. Ich kann ihnen nicht garantieren, dass das meine Theorie funktioniert, aber eine bessere habe ich nicht. Ich nehme an, dass Sie sich stets in dem Universum befinden das Sie gerade sehen. Das würde zumindest die Funktionsweise eines räumlichen Portals erklären. Wenn sich nun die Grenze der Anomalie über Sie hinwegbewegt, blinzeln Sie vorher so lange, bis Sie das gewünschte Universum sehen. Halten Sie die Augen so lange offen wie möglich und vermeiden Sie jede Bewegung. Die Grenze der Anomalie ist fließend, Sie werden nicht bemerken, wenn Sie durch sind. Wenn Sie es schaffen genau im falschen Moment zu blinzeln, kann das für Sie weitaus fatalere Folgen haben, als ‚nur‘ im falschen Universum zu landen: Unendliche Agonie im Nichts zwischen den Welten.“ erklärte Schmieder über Funk.
„Hat das irgendwer nicht verstanden?“ fragte Gödde. Nach einer Pause in der sich niemand meldete fuhr er fort. „Gut, ich muss ihnen wohl nicht erklären, in welches Universum Sie sich blinzen, oder?“ und an die Soldaten des SKP gewandt: „Und Sie, Sie sehen zu, dass Sie in ihrem Universum landen, wir wollen Ihresgleichen hier nicht! Sagt eurem Führer oder wer auch immer bei euch das Sagen hat, er kann uns mal und soll sich von uns fernhalten!“
„Ich glaub da kommt die Grenze der Anomalie!“ unterbrach ein Soldat Gödde in seinen Tiraden.

„Blinzle uns ins andere Universum, schnell!“ befahl der Computer.
„Moment, soll das heißen du kannst das nicht?“
„Ich sehe beide gleichzeitig, bitte, verstehen Sie doch wie wichtig es ist, dass die Foundation nichts hiervon erfährt!“
„Für euch vielleicht…“
„Nein, auch für die Foundation! Sie brauchen die Ausrüstung der R.T.I.! Diese Technologie kann Menschenleben retten!“
Straub schwieg. Er wusste insgeheim, dass der Computer recht hatte. Die Technik der R.T.I. *konnte* Menschenleben retten. Aber ihr Einsatz widersprach den Prinzipien der Foundation. O4 oder O5 mussten selbst die Chance haben, sich für oder gegen ihren Einsatz zu entscheiden. Straub überlegte kurz, dann blinzelte er bis er die blassgrünen Wände des SKP sah und hielt die Augen offen.
„Ich hoffe doch Sie haben das Universum des SKP gewählt!“ sagte der Computer. Straub schwieg und konzentrierte sich darauf die Augen offen zu halten. Sein Plan ging auf, der Computer ging davon aus, dass er das Universum der Foundation gewählt hatte und erzwang ein Blinzeln. Straub versuchte zwanghaft sich zu ärgern, damit der Computer keinen Verdacht schöpfte. Dann war es auch schon vorbei, Schmieder verkündete über Funk:
„Das Portal ist geschlossen, Sie können wieder blinzeln.“ Die Soldaten rieben sich die Augen. Straub sah das eine Handvoll Soldaten des SKP es nicht geschafft hatte in ihr Universum zurückzukehren, und sich ergaben.

„Wir hätten auf der anderen Seite weiterleben können, Sergeant Straub. Bitte verstehen Sie, dass ich Sie nicht am Leben lassen kann.“ sagte der Computer.
„Ein Leben unter Nazis, mit einem Computer der über mich bestimmt? Das ist kein Leben. Und wie du gesagt hast, ich bin bereits tot. Die Foundation wird es früher oder später herausfinden, so oder so.“ erwiderte Straub. Er fühlte wie seine Sinne wieder schwanden. Der Kampfanzug begab sich in eine Transportstellung, in der er auch ohne Energie nicht umfiel. Er hörte gedämpft wie jemand über Funk seinen Namen rief, nahm Bewegungen um ihn herum war. Er fühlte sich wieder müde. Endlich würde er wieder schlafen können. Diesmal vielleicht für immer.

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