Tagträumerei
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Tagträume

Das ist mittlerweile alles, was noch übrig ist. Das ist alles, was ich haben kann. Ich bin ein allmächtiger Halbgott, eingesperrt in den Körper eines kleinen Jungen. Weißt du, wohin die Macht fließt? Sie strömt aus den Fingern und durchnässten Klamotten in die Körper gebrochener Menschen. Sie suchen nach Vergebung, also bitte sehr. Unsere Mutter war dort, und der Kühlschrank flog aus dem Weg. Mamas hübscher Hals, im Nu war er weg, das Blut spritzte auf meine unsere armseligen Hände und tropfte auf den Boden. Nun sind wir alle gebrochen.

Die Scheusale, die Gefängniswärter, sie halten mich jetzt fest und lassen mich nicht gehen. Sie brauchen mich als Ganzes. Sie lassen mich gegen Grammie kämpfen, aber sie weiß, dass wir bereits gewonnen haben. Das ergibt keinen Sinn. Worüber spreche ich hier? Nichts von diesem Scheiß ist tatsächlich passiert. Ich muss mich zusammenreißen, bevor ich mehr von diesem gottverdammten Blödsinn von mir gebe. Tief durchatmen. Wie viele Finger habe ich… zehn? Zehn klingt nach einer guten Zahl. Eins, zwei, zehn. Okay, zurück zum Thema.

Mein Name ist Andrew und mit mir stimmt etwas ganz und gar nicht. Ich weiß nicht, was es ist, oder wie es angefangen hat… alles, was ich sagen kann, ist, dass ich, als ich 17 war, plötzlich Dinge zerstören konnte. Ich konnte sie einfach… verschwinden lassen, wenn ich sie berührte. Ich kann es nicht kontrollieren, denn sobald ich es versuche, wird irgendetwas anderes atomisiert und jemand anders stirbt.

O Gott… wenn dies… keine Untersuchungshaft wäre, sondern ein Gefängnis, wenn sie nicht zu mir gekommen wären, weiß ich nicht, wie viele Menschen gestorben wären. Wie viele hier drin sind im Augenblick tot? Sie sagen, ich hätte dreißig Leute getötet, aber das ist wahrscheinlich eine Übertreibung. Etwas, das in meinen Kopf soll. Ich weiß, ich habe… ich habe Mama getötet, aber das war ein Unfall. Ich wusste nicht, was ich tat.

Aber eigentlich ist es gar nicht so passiert.

Mein Name ist Damien und ich bin ziemlich erstaunlich. Eigentlich ist erstaunlich noch eine Untertreibung. Ich kann unglaublichen, atemberaubenden Scheiß tun, von dem keiner von euch Weicheiern, die das hier lesen, zu träumen wagt. Schau mal, Alter, wenn du verdammt noch mal Scheiße mit einer Berührung vom Himmel pusten kannst, erregst du einiges an Aufmerksamkeit. Sicher, bevor ich in dieses Gefängnis kam, hatte ich mit diesem ganzen Durcheinander viel Spaß, aber hier drin ist es cool. Wo sonst werden wir einen alten Stricher anzünden und uns mit einem Juhu zurücklehnen?

Es ist kalt hier drin, aber wir sind immer noch scharf. Das Instrument schärft die Klinge an jedem Schleifstein, den es freilegt, und beschreitet neue Wege, indem es die Bindungen vor ihm durchtrennt. Jede Form begreift, sieht, schmeckt und berührt es auf Millionen verschiedener Arten. Gute Reise!

Nein, du erinnerst dich nicht richtig. Du musst uns antworten. Wie heißt du?

…Ich habe keinen Namen. Ich weiß es nicht.

Wo kommst du her?

Kalifornien. Ich… lass mich meinen Kopf freibekommen, okay? Das ist zu viel. Das ist zu viel…

Versuch einfach, bei uns zu bleiben, okay? Wer bist du?

Ich sagte bereits, dass ich es nicht weiß! Verdammt, kannst du mir eine gottverdammte Minute Zeit geben?

Bitte bleib ruhig. Hier bist du in Sicherheit.

Nein, aber… es ist da draußen. Es… kommt raus, kommt hoch, und reißt Leute in Stücke.

Du bist jetzt in Sicherheit… es ist vorbei.

Nein. Es ist niemals vorbei. Ganz egal, wie oft ich verdammt nochmal von vorn anfangen will, ich in das kleine Loch in meinem Inneren krieche und diesem Ding die Kontrolle überlasse, es wird nicht passieren. Irgendetwas zieht sich vom Abgrund weg. Meine Erinnerungen sind falsch und wie an so vielen Tagen zuvor geht die Sonne im Westen auf und die Uhr zählt von Null rückwärts.

Sie bringen mich immer wieder dazu, mich zu verändern. Jedes Mal, wenn ich dem Tode nahe bin, werde ich verändert, um besser in diese Welt hineinzupassen. Mein Verstand zerbricht und verändert sich, um in ihre neue Form zu passen, das pièce de résistance ihrer neuen Ausstellung. Erinnerungen und Geschichten werden überschrieben, bis nichts anderes übrig bleibt, als ein Name. Und ich kenne meinen Namen nicht.

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